In Abu Dhabi haben am heutigen Freitag trilaterale Gespräche zwischen der Ukraine, den Vereinigten Staaten und Russland begonnen. Es handelt sich um das erste bekannte Treffen, an dem alle drei Länder seit Beginn des Krieges vor fast vier Jahren teilnehmen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Treffen am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos angekündigt.
Das Format unterscheidet sich von klassischen politischen Zusammenkünften: Es gibt keine offizielle Startzeit, und die Delegationen können informell zusammenarbeiten. Dmitri Lytwyn, Kommunikationsberater des ukrainischen Präsidenten, erklärte gegenüber dem Sender RBC-Ukraine, dass einige Teams bereits vor Ort seien. Sky News meldete gegen 11:30 Uhr, die Gespräche hätten begonnen – allerdings sei unklar, ob sich Ukrainer und Russen im selben Raum befinden.
Ukraine mit zehn Personen am Tisch
Die ukrainische Delegation besteht aus zehn Personen unter der Leitung von Verteidigungsminister Rustem Umerow, wobei die meisten Delegationsmitglieder Militärangehörige sind. Selenskyj erklärte in einer Audiobotschaft, er habe Konsultationen mit seiner Delegation geführt und das Team „wisse, was zu tun sei". Die US-amerikanische Seite wird von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff, dessen Schwiegersohn Jared Kushner und dem Berater Josh Gruenbaum vertreten.
Moskau schickt Militärgeheimdienstler statt Diplomaten
Auffällig ist die Zusammensetzung der russischen Delegation: Statt des außenpolitischen Beraters Jurij Uschakow leitet der Chef des Militärgeheimdiensts GRU, Admiral Igor Kostjukow, das Team. Die Delegation besteht laut Kreml aus Vertretern der Führung des Verteidigungsministeriums.
Kostjukow, 64 Jahre alt, steht bereits seit 2016 unter westlichen Sanktionen – zunächst wegen Aktionen zur Untergrabung der amerikanischen Demokratie, später wegen des Nowitschok-Anschlags in Salisbury und Cyberangriffen auf den Bundestag. Wie CNN-Korrespondent Nick Paton Walsh analysiert, habe Moskau durch die Entsendung eines rein militärischen Teams bewusst eingeschränkt, was besprochen werden kann und wie schnell Ergebnisse erzielt werden können.
Vor dem Treffen in Abu Dhabi hatte Putin rund vier Stunden mit den amerikanischen Emissären in Moskau gesprochen. Uschakow erklärte anschließend, bei dem Gespräch sei es darum gegangen, Informationen über die Ergebnisse der amerikanischen Gespräche mit Ukrainern und Europäern zu erhalten.
Kreml beharrt auf territorialen Forderungen
Kompromissbereitschaft signalisierte Moskau nicht. Uschakow betonte, ohne Lösung der „territorialen Frage" nach der beim Treffen in Anchorage im August vereinbarten Formel könne man nicht auf eine langfristige Beilegung hoffen. Putin fordert unter anderem, dass die ukrainischen Verteidiger noch mehr Gebiete räumen sollen, als selbst Trumps ursprünglicher Entwurf zum Friedensplan vorsah.
„Russland wird konsequent damit weitermachen, die vor dem Beginn der speziellen Militäroperation aufgestellten Ziele auf dem Schlachtfeld zu erreichen", sagte Uschakow. Gleichzeitig sei Putin ernsthaft an einer Lösung mit „politisch-diplomatischen Methoden" interessiert.

