Erstmals seit fünf Jahren sind die Preise für Elektroautos in Europa gesunken. Besonders stark betroffen ist das Segment der elektrischen Kleinwagen, wo die Kosten im Durchschnitt um 13 Prozent gefallen sind. Das geht aus einer Analyse des europäischen Interessenverbands Transport & Environment (T&E) hervor.
Modelle wie der vollelektrische Renault 5, der ab 28.000 Euro erhältlich ist, oder der Citroën E-C3, der bereits ab 20.140 Euro angeboten wird, treiben diese Entwicklung voran. In den höherklassigen Segmenten D und E haben Elektroautos preislich bereits 2024 mit Verbrennern gleichgezogen – die günstigeren Kleinwagen ziehen nun nach.
Günstigere Batterien und EU-Grenzwerte als Preistreiber
Laut der T&E-Analyse sind die sinkenden Preise vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: weltweit gefallene Batteriepreise und die verschärften CO2-Flottengrenzwerte der Europäischen Union. Batteriepacks machten bislang je nach Modell etwa 30 bis 40 Prozent der Anschaffungskosten eines Elektroautos aus. Mit günstigeren Batterien sinkt entsprechend der Gesamtpreis.
In den Vorjahren hatten die Automobilhersteller allerdings vorrangig auf größere und teurere E-SUVs gesetzt, anstatt die niedrigeren Batteriekosten an Käufer kleinerer Fahrzeuge weiterzugeben. Die strengeren CO2-Vorgaben der EU erzwingen nun ein Umdenken: Um Strafzahlungen zu vermeiden, müssen die Hersteller verstärkt erschwingliche Elektroautos auf den Markt bringen.
Etwa die Hälfte der Hersteller hat die vorgeschriebenen Ziele bereits im ersten Halbjahr 2025 erreicht. Volkswagen und Renault liegen dagegen noch zurück – Prognosen zufolge dürften beide Konzerne ihre Vorgaben aber bis 2027 erfüllen.
Chinesische Konkurrenz setzt europäische Hersteller unter Druck
Sebastian Bock, Deutschlandchef von T&E, warnt davor, die vom EU-Parlament beschlossenen Zielvorgaben nachträglich abzuschwächen. Eine solche Maßnahme diene nur kurzfristig den Interessen der Autobauer, um Margen und Dividenden zu sichern. Langfristig würde das die europäische Industrie „nicht nachhaltig schützen", so Bock.
Der Druck kommt dabei zunehmend von außen: Chinesische Autohersteller drängen mit wachsender Kraft auf den europäischen Markt. Nach Zahlen des Fraunhofer Instituts hält China den weltweit größten Anteil an der Produktion von Elektrofahrzeugen – und wird diese führende Position voraussichtlich auch künftig behaupten.
Für Verbraucher in Deutschland ergibt sich daraus eine veränderte Ausgangslage: Galten Elektroautos lange als Fahrzeuge vorwiegend für Besserverdiener, rücken sie durch den Preisrückgang nun für breitere Käuferschichten in Reichweite. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, ob die europäischen Hersteller den Kostendruck aus China mit wettbewerbsfähigen Modellen beantworten können – und ob die Politik an den bestehenden Klimavorgaben festhält.


