Energiekrise

Erste Öllieferung trotz Hormus-Blockade: Südkorea weicht aufs Rote Meer aus

Ein Öltanker hat nach südkoreanischen Angaben eine Route durchs Rote Meer erfolgreich passiert. Damit umgeht das Land die weitgehend blockierte Straße von Hormus.

Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung
Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myungNewscom/Yonhap News/imago

Einem südkoreanischen Öltanker ist erstmals seit der Blockade der Straße von Hormus gelungen, Rohöl über das Rote Meer zu transportieren. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung sprach auf der Plattform X von einer „wertvollen Errungenschaft“, die durch die enge Zusammenarbeit der zuständigen Ministerien und den Einsatz der Besatzung unter schwierigen Bedingungen möglich geworden sei.

Südkorea ist von der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus stark betroffen. Rund 70 Prozent der Rohölimporte des Landes stammen laut einem Bericht des Korean Herald aus dem Nahen Osten, und 95 dieser Lieferungen verlaufen normalerweise über diese Route. Derzeit sitzen noch 26 südkoreanische Schiffe in der Meerenge fest, wie AP unter Berufung auf Behördenangaben berichtete.

Hormus-Blockade: Saudi-Arabien setzt auf Terminals am Roten Meer

Das Schiff hat laut AP Rohöl aus dem saudi-arabischen Hafen Yanbu geladen. Saudi-Arabien hat einem Bloomberg-Bericht zufolge seine Rohöllieferungen von seinen Terminals am Roten Meer seit Ende Februar auf rund vier Millionen Barrel pro Tag vervierfacht, um die Wirkung der Hormus-Blockade abzumildern.

Die Route durch das Rote Meer gilt allerdings ebenfalls nicht als risikofrei. Wie der Korea Herald berichtet, bevorzugten Ölexporteure bislang die Hormus-Route auch deshalb, weil im Roten Meer die Gefahr von Angriffen durch die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen besteht. Die nun erfolgte Lieferung ist die erste, bei der eine Hormus-Lieferung durch eine Fahrt über einen Hafen am Roten Meer ersetzt wurde.

Das südkoreanische Fischereiministerium hatte gemeinsam mit weiteren Behörden und Branchenvertretern an der Umsetzung des Plans gearbeitet. Während der Fahrt durch das Rote Meer wurde das Schiff rund um die Uhr überwacht, einschließlich Echtzeit-Kommunikation mit dem Tanker und dessen Betreiber, wie der Korea Herald weiter berichtet.

Fischereiminister Hwang Jong-woo erklärte, die Regierung werde weiterhin mit den zuständigen Stellen und der Industrie zusammenarbeiten, um den sicheren und stabilen Transport von Rohöl nach Südkorea zu gewährleisten. Wie viele Tanker künftig die Rote-Meer-Route nutzen sollen und wann das erste Schiff in Südkorea eintreffen wird, teilte das Ministerium laut AP zunächst nicht mit.