Südkorea hat am Samstag den Atomreaktor Gori-2 nach knapp dreijähriger Abschaltung wieder hochgefahren. Der staatliche Betreiber Korea Hydro & Nuclear Power Co. (KHNP) bestätigte die Wiederinbetriebnahme des 640-Megawatt-Reaktors am Kernkraftwerk Gori in der südöstlichen Hafenstadt Busan, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.
Der Reaktor war 1983 als dritter Kernreaktor des Landes in Betrieb gegangen und gehört damit zu den ältesten Anlagen Südkoreas. Im April 2023 lief seine ursprüngliche 40-Jahres-Betriebsgenehmigung aus, woraufhin er für umfangreiche Sicherheitsinspektionen und Modernisierungsarbeiten vom Netz genommen wurde, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu.
Aufsichtsbehörde genehmigte Weiterbetrieb bis 2033
Laut dem Branchendienst Enerdata hatte die südkoreanische Nuklearaufsichtsbehörde NSSC bereits im November 2025 den Weiterbetrieb des Reaktors bis 2033 genehmigt. Zusätzliche Prüfungen waren jedoch nötig, um sicherzustellen, dass Änderungen an Anlagen und Verfahren zur Störfallbewältigung den aktuellen Vorschriften entsprechen. KHNP hatte bereits im April 2022 die Verlängerung beantragt und dabei einen Sicherheitsbericht samt Ergebnissen einer Bürgerbefragung zur Strahlenbelastung vorgelegt, so Enerdata.
Der Betreiber plant laut Enerdata auch die Laufzeitverlängerung von neun weiteren Reaktorblöcken, deren Genehmigungen vor 2030 auslaufen – darunter Gori 3 und 4, Hanbit 1 und 2, Hanul 1 und 2 sowie Wolsong 2, 3 und 4.
Wiederinbetriebnahme fällt in akute Energiekrise
Die Rückkehr des Reaktors ans Netz erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Südkorea mit einer schweren Energiekrise ringt. Wie Yonhap und Bloomberg berichteten, hat Präsident Lee Jae-myung die Lage als „Krise von kriegsähnlichem Ausmaß“ bezeichnet. Das rohstoffarme Land ist stark von Energieimporten abhängig und leidet unter der Blockade der Straße von Hormus infolge des Nahost-Kriegs. Seit dem 20. März erreichten keine Rohöltanker mehr über diese Route das Land.
Lee forderte die Nationalversammlung zur raschen Verabschiedung eines Nachtragshaushalts von 26,2 Billionen Won (rund 15 Milliarden Euro) auf und rief die Bevölkerung auf, „jeden Tropfen Treibstoff“ zu sparen. Das Handelsministerium hob die Warnstufe für Ölversorgung laut Yonhap auf die zweithöchste Stufe an. Die Wiederinbetriebnahme von Gori-2 dürfte in dieser angespannten Versorgungslage zusätzliche Dringlichkeit erhalten haben.


