Fraktionskämpfe

Eklat auf Grünen-Wahlparty: Grüne Jugend will Boris Palmer vertreiben

Nach dem Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg eskalieren die Machtkämpfe. Mitglieder der Grünen Jugend forderten den Tübinger OB auf, zu gehen. Wird Palmer jetzt Minister?

Boris Palmer wurde auf der Wahlparty von der Grünen Jugend angegangen.
Boris Palmer wurde auf der Wahlparty von der Grünen Jugend angegangen.Felix Kästle / dpa

Auf der Wahlparty der Grünen ist es zu einer Konfrontation zwischen dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und Mitgliedern der Grünen Jugend gekommen. Wie Palmer dem Spiegel berichtete, hätten ihn zwei junge Männer unmittelbar nach dem Betreten des Foyers aufgefordert zu gehen. Er schade dem frisch gewählten Ministerpräsidenten Cem Özdemir, habe es geheißen. Niemand habe ihn eingeladen, er solle verschwinden.

Der Bürgermeister der Gemeinde Ostelsheim, Ryyan Alshebl, bestätigte den Vorfall und sprang Palmer zur Seite. „Es war kein freundliches Gespräch – und das lag nicht an Boris Palmer“, sagte Alshebl. Solch ein Verhalten habe er zuletzt in der Grundschule erlebt. Wobei Boris Palmer selbst nie einer Diskussion aus dem Weg ging.

Die Grüne Jugend Baden-Württemberg wollte sich zu den konkreten Schilderungen nicht äußern. Aber Landessprecher Jaron Immer lehnte nach Pressinformationen einen Ministerposten für Palmer offen ab. Palmers Positionen seien mit den Grundwerten der Partei unvereinbar.

Spekulationen über ein Ministeramt

Palmer verbindet mit den Grünen und vor allem der Grünen Jugend eine wechselvolle Geschichte. Als Grüner-Kandidat wurde er Bürgermeister in Tübingen. 2023 verließ er die Grünen nach rassistischen Entgleisungen und verteidigte später gegen eine Kandidatin der Grünen den Bürgermeisterposten. Im Wahlkampf hatte er Özdemir aktiv unterstützt. Unter anderem traute er ihn medienwirksam mit seiner Frau. Mehrfach äußerte er auch Verständnis für Positionen der CDU – vor allem in der Asyl- und Migrationsdebatte.

In Baden-Württemberg wird seit Längerem spekuliert, ob Palmer einen Ministerposten erhalten könnte. Er selbst gibt sich abwartend: Laut Spiegel sagte er: „Etwas auszuschließen, war noch nie gescheit."