Die Grünen-Politikerin Clara Herrmann (40) wird bei der Bezirkswahl im September 2026 nicht erneut als Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Friedrichshain-Kreuzberg antreten. Das geht aus einem Schreiben an ihre Parteifreunde hervor, das dem Tagesspiegel vorliegt.
Konkrete Gründe für ihren Rückzug nannte Herrmann nicht. Sie befinde sich an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie sich „neuen Herausforderungen zuwenden“ wolle, heißt es in dem Brief. Zugleich betonte sie, dass ihr die Entscheidung schwergefallen sei und sie seit längerer Zeit beschäftigt habe. „Es ist mir eine große Freude, Bezirksbürgermeisterin unseres einzigartigen und wunderbaren Bezirks sein zu dürfen“, schrieb Herrmann.
Die Grünen-Fraktion in Friedrichshain-Kreuzberg bedauerte die Entscheidung laut einer offiziellen Pressemitteilung und würdigte Herrmanns Einsatz in den Bereichen Klimaschutz, Soziales und Kultur.
Zwei Jahrzehnte grüne Politik in Berlin
Herrmann blickt auf eine lange politische Laufbahn zurück. Seit mehr als 20 Jahren ist sie für die Grünen in Berlin aktiv. 2006 zog sie als damals jüngste Abgeordnete mit 21 Jahren ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Zehn Jahre später übernahm sie das Amt der Stadträtin für Finanzen, Umwelt, Kultur und Weiterbildung im Bezirk. Nach der Wahl 2021 folgte sie Monika Herrmann – mit der sie nicht verwandt ist – als Bezirksbürgermeisterin.
Die Frage, wer Herrmann als Spitzenkandidatin der Grünen beerben könnte, ist noch offen. Laut Tagesspiegel gilt Jenny Laube, Mitglied im Kreisvorstand, parteiintern als Favoritin. Am 21. März will der Kreisverband über die Liste und die Spitzenkandidatur entscheiden. Neben dem Bürgermeisterposten besetzen die Grünen derzeit zwei weitere Positionen im Bezirksamt: Annika Gerold als Stadträtin für Verkehr, Ordnung, Grünflächen und Umwelt sowie Florian Schmidt als Baustadtrat.
Politisch könnte Herrmanns Abgang den Bezirk verändern. Seit 2006 regieren die Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg. Doch die Linken machen sich zunehmend Chancen auf einen Machtwechsel: Bei der Bundestagswahl 2025 wurden sie im Bezirk stärkste Kraft und gewannen überraschend das Direktmandat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost.

