Saudi-Arabiens zentrale Ost-West-Ölpipeline ist am Mittwoch offenbar bei einem iranischen Angriff getroffen und beschädigt worden. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor. Die Leitung ist derzeit die einzige Exportroute des Königreichs für Rohöl, nachdem der Iran die Straße von Hormus faktisch blockiert hatte. Der Angriff könnte die ohnehin angespannte globale Energiekrise weiter verschärfen.
Wie Reuters unter Berufung auf eine Branchenquelle berichtet, wurde die Pipeline von einer Drohne getroffen. Auch weitere Anlagen in Saudi-Arabien seien Ziel von Angriffen gewesen. Das Ausmaß der Schäden werde noch ermittelt, die Ölflüsse durch die Leitung dürften jedoch beeinträchtigt sein, so die Quelle. Laut der Financial Times wurde eine Pumpstation gegen 13 Uhr Ortszeit getroffen. Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco, der die Pipeline betreibt, lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Financial Times ab. Auch Bloomberg bestätigte den Angriff auf die Pipeline.
Die Ost-West-Pipeline transportiert Rohöl aus den Fördergebieten im Osten des Landes zum Hafen Yanbu am Roten Meer. Seit der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran leitete Saudi-Arabien rund sieben Millionen Barrel pro Tag durch die Leitung um – ihre volle Kapazität, wie Bloomberg Ende März berichtete.
Saudi-Arabien verbraucht selbst etwa zwei Millionen Barrel täglich, die übrigen rund fünf Millionen Barrel standen für den Export zur Verfügung. In der Woche ab dem 23. März wurden laut Schifffahrtsdaten durchschnittlich 4,6 Millionen Barrel pro Tag in Yanbu verladen – nahezu Höchstkapazität.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten am Mittwoch in einer Stellungnahme, sie hätten mit Raketen und Drohnen mehrere Ziele in der Region getroffen, darunter nach eigener Darstellung „Ölanlagen amerikanischer Unternehmen“ in Yanbu. Bereits am 19. März war der Hafen Yanbu Ziel von Angriffen gewesen.
Auch Kuwait und Emirate melden iranische Angriffe
Die Angriffe trotz Verkündung einer Waffenruhe beschränkten sich nicht auf Saudi-Arabien. Kuwait meldete ab etwa 8 Uhr Ortszeit eine „intensive Welle feindlicher, krimineller Angriffe aus dem Iran“, wie die kuwaitischen Streitkräfte auf der Plattform X mitteilten. 28 Drohnen seien abgefangen worden, einige davon hätten auf Ölanlagen und Kraftwerke im Süden des Landes gezielt. Dennoch sei es zu „erheblichen Sachschäden an der Ölinfrastruktur, an Kraftwerken und an Meerwasserentsalzungsanlagen“ gekommen.
Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte ebenfalls auf X, die Luftabwehr bekämpfe „derzeit Raketen- und Drohnenangriffe, die aus dem Iran stammen“. Auch auf iranischer Seite wurde ein Angriff gemeldet: Die Nationale Iranische Ölraffinerie- und Vertriebsgesellschaft sprach laut dem Nachrichtenportal des iranischen Ölministeriums Shana von einem „feindlichen Angriff“ auf eine Raffinerie auf der Insel Lavan, bei dem es jedoch keine Opfer gegeben habe.
Waffenruhe angekündigt – doch Angriffe gehen weiter
Die neuen Angriffe stehen in einem widersprüchlichen Verhältnis zu einer erst am Vortag angekündigten Feuerpause. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag auf Truth Social eine zweiwöchige „beidseitige Waffenruhe“ verkündet. Auch das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklärte, Israel stimme zu – allerdings solle die Waffenruhe nicht für den Libanon gelten.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi teilte auf X mit, Teheran werde seine „Verteidigungsoperationen einstellen“, solange die Angriffe auf den Iran ebenfalls aufhörten. Drei libanesische Quellen aus dem Umfeld der Hisbollah erklärten gegenüber Reuters, Angriffe auf israelische Ziele am Mittwochmorgen ausgesetzt zu haben. Libanesische Medien berichteten laut Reuters jedoch von fortgesetzten israelischen Angriffen im Südlibanon mit mehreren Todesopfern.
Die genauen Hintergründe der am Mittwoch von Kuwait und den Emiraten gemeldeten Angriffe waren zunächst unklar. Der Konflikt hatte Ende Februar mit US-israelischen Angriffen begonnen, woraufhin der Iran wiederholt Ziele in den Golfstaaten attackierte. Fachleute bezeichnen die Lage auf den Energiemärkten bereits als schwerste Energiekrise seit Jahrzehnten.


