Wenige Wochen vor Ostern finden Kunden in deutschen Supermärkten und Discountern teils dünnere Eierregale vor als gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die Auswahl ist eingeschränkt – von einer echten Krise will die Branche aber nicht sprechen.
„Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit", sagt Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG). Die Regale seien nicht leer, es zeigten sich jedoch Lücken. Vor allem die außerordentlich hohe Nachfrage verschärfe die Lage. Zu Ostern könnte es noch enger werden, da der Eierkonsum saisonal stark ansteigt.
Der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, bestätigt diese Einschätzung. Der Markt sei zwar knapp versorgt, aber er sei versorgt. Einzelne Sortierungen – etwa bestimmte Haltungsformen oder Größen – könnten zeitweise nicht verfügbar sein. Zusätzlichen Druck erzeugten Färbereien, die vor Ostern große Mengen Eier aufkaufen und dem regulären Markt damit vorübergehend entziehen. Gravierende Engpässe sehe er jedoch nicht.
Ein Sprecher der Rewe Gruppe bezeichnete die Situation als „herausfordernd". Man stehe in engem Austausch mit Lieferanten und sei flexibel aufgestellt, um die Versorgung sicherzustellen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, die Versorgung sei inzwischen wieder stabil.
Vogelgrippe und Strukturwandel belasten das Angebot
Ein wesentlicher Grund für die angespannte Lage ist die Vogelgrippe. Im vergangenen Jahr mussten mehrere Hunderttausend Legehennen gekeult werden. Der Wiederaufbau dieser Bestände benötigt Zeit. Da der Lebensmitteleinzelhandel bei der Belieferung Vorrang hat, trifft die Knappheit vor allem die Gastronomie und die verarbeitende Industrie. „Da wird schon mal eine Rezeptur gestreckt und ein Ei weggelassen, weil Eier schwerer zu bekommen sind", sagt Beck.
Hinzu kommt ein struktureller Umbruch: Ende 2025 gehen die letzten Betriebe mit sogenannter Kleingruppenhaltung – einer Form der Käfighaltung mit etwas mehr Platz – aus der Produktion. Diese Eier waren bislang vor allem für die Lebensmittelindustrie relevant. Die wegfallenden Mengen müssten ersetzt werden, erläutert Charlotte Wilmes von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Daraus ergäben sich veränderte Warenströme, die den Druck auf dem Markt weiter erhöhten.
Steigende Preise trotz leicht höherer Produktion
Laut MEG wurden 2025 zwar rund 0,5 Prozent mehr Eier produziert als im Vorjahr. Die Nachfrage ist allerdings noch stärker gewachsen – mit direkten Folgen für den Preis. Im vergangenen Jahr kosteten zehn Eier aus Bodenhaltung im Durchschnitt 2,02 Euro. Derzeit liegt der günstigste Preis vielerorts bei 2,49 Euro.
Neben dem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nennt Beck weitere Kostentreiber: den gestiegenen Mindestlohn, höhere Mautgebühren und steigende Energiekosten. Auch der Rückgang von Eierimporten aus den Niederlanden verschärfe die Situation. Viele Betriebe würden gern mehr produzieren, scheiterten aber an der Bürokratie. „Die ganze Branche klagt darüber, wie schwierig es ist, eine Baugenehmigung zu bekommen", so Beck.


