Medienbericht

„Donnyland“: Ukraine soll Umbenennung von Teil des Donbass vorgeschlagen haben

Die Ukraine soll eine ungewöhnliche Taktik erwogen haben, um sich die Unterstützung der USA zu sichern: Die Umbenennung eines Gebiets im Donbass nach Donald Trump.

Eine Anwohnerin läuft in Kramatorsk an Gebäuden vorbei, die bei einem russischen Angriff beschädigt wurden.
Eine Anwohnerin läuft in Kramatorsk an Gebäuden vorbei, die bei einem russischen Angriff beschädigt wurden.Tommaso Fumagalli/ZUMA Press Wire/dpa

Ukrainische Unterhändler sollen im Rahmen von Friedensverhandlungen in den vergangenen Monaten vorgeschlagen haben, einen umkämpften Teil des Donbass Donnyland zu nennen, offenbar eine Anspielung auf US-Präsident Donald Trump. Dies berichtete die New York Times unter Berufung auf vier mit den Gesprächen vertraute Personen. 

Ein ukrainischer Verhandler habe den Begriff „Donnyland“ – eine Wortschöpfung aus „Donbass“ und „Donald“ – erstmals im Rahmen von Bemühungen erwähnt, die Trump-Regierung dazu zu bewegen, russischen Gebietsforderungen entschiedener entgegenzutreten. Die Aussage sei „teils scherzhaft“ erfolgt und nach Kenntnisstand der New York Times in keinem offiziellen Dokument festgehalten worden.

Ukraine und Russland scheiterten bei Kompromiss

Es geht um ein etwa 80 mal 65 Kilometer großes Gebiet in der Region Donezk, das die Ukraine noch kontrolliert. Nach ukrainischen Angaben leben dort noch rund 190.000 Menschen, andere mit den Gesprächen vertraute Personen sprechen von etwa der Hälfte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte sich dem Bericht zufolge im Dezember offen für einen Kompromiss gezeigt, etwa eine entmilitarisierte oder freie Wirtschaftszone, die keiner der Kriegsparteien vollständig unterstellt wäre. Der Kreml habe jedoch eine entmilitarisierte Zone unter der Bedingung in Aussicht gestellt, dass russische Polizei oder Nationalgarde dort patrouillieren dürfe – was für Kiew inakzeptabel war.

Ukrainische Unterhändler nannten die vorgeschlagene Zone laut New York Times „Donnyland“, ein Gebiet, das von keiner Seite vollständig kontrolliert und als Erfolg für Trump gefeiert werden sollte. Ein Unterhändler entwarf laut einer Quelle eine Flagge für Donnyland mit ChatGPT sowie eine Nationalhymne. Ob dies jemals der US-Seite gezeigt wurde, sei unklar.

Verhandlungen gerieten ins Stocken

Der Politikwissenschaftler Samuel Charap der in den USA ansässigen Denkfabrik RAND Corporation sagte der New York Times, die Ukraine sehe in einer Verbindung des Gebiets mit Trumps Namen offenbar einen sicherheitspolitischen Nutzen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte laut dem Bericht, Moskau akzeptiere nur die vollständige rechtliche Kontrolle über den Donbass. Selenskyj wiederum bezeichnete einen Tausch von Land gegen Frieden als „großen Fehler“. Die Friedensgespräche waren zuletzt ins Stocken geraten, die Zukunft des Donbass gilt als zentrale Streitfrage.

Laut New York Times ist die Verwendung von Trumps Namen in geopolitischen Vorhaben nicht neu: In Polen war 2018 demnach von einem US-Stützpunkt namens „Fort Trump“ die Rede, im armenisch-aserbaidschanischen Friedensprozess von einem nach ihm benannten Transportkorridor.