Fragen zum Bewerbungsverfahren

Diskriminierung von Weißen? US-Regierung verklagt Harvard

Das Justizministerium will die Uni zur Herausgabe von Zulassungsdaten bewegen. Die Klage markiert eine weitere Eskalation im andauernden Konflikt zwischen der Regierung und Harvard.

Die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts wird vom Justizministerium verklagt.
Die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts wird vom Justizministerium verklagt.Nicolaus Czarnecki/ZUMA Press Wire/dpa

Das US-Justizministerium hat am Freitag Klage gegen die Harvard University eingereicht. Die Behörde wirft der renommierten Ivy-League-Hochschule im Bundesstaat Massachusetts vor, im Rahmen einer Untersuchung zur Zulassungspraxis angeforderte Dokumente nicht vollständig bereitgestellt zu haben. Das geht aus einer Pressemitteilung des Ministeriums hervor.

Im Kern geht es um die Frage, ob Harvard bei der Auswahl von Studierenden weiterhin die Hautfarbe berücksichtigt – obwohl der Supreme Court dies 2023 für verfassungswidrig erklärt hatte. Das Justizministerium verlangte detaillierte Informationen über alle Bewerber der vergangenen sieben Jahre für die Bachelor-, Jura- und Medizinstudiengänge, einschließlich Angaben zu Ethnie, Geschlecht, Noten und Testscores.

„Harvard hat die Daten nicht offengelegt, die wir benötigen, um sicherzustellen, dass die Zulassungen frei von Diskriminierung sind“, erklärte Generalstaatsanwältin Pamela Bondi laut der Pressemitteilung des Ministeriums. Die stellvertretende Generalstaatsanwältin Harmeet Dhillon ergänzte: „Wenn Harvard aufgehört hat zu diskriminieren, sollte die Universität die nötigen Daten gerne zur Verfügung stellen.“

Harvard wies die Vorwürfe zurück. Sprecher Jason Newton erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal Politico, die Universität habe „in gutem Glauben“ auf die Anfragen reagiert und werde sich weiterhin gegen „Vergeltungsmaßnahmen“ verteidigen. Diese seien eingeleitet worden, weil Harvard sich geweigert habe, „ihre Unabhängigkeit aufzugeben oder ihre verfassungsmäßigen Rechte als Reaktion auf unrechtmäßige Übergriffigkeit der Regierung“ preiszugeben.

Eskalation nach gescheiterten Vergleichsverhandlungen

Die Klage markiert eine weitere Eskalation im seit Februar 2025 andauernden Konflikt zwischen der Trump-Regierung und Harvard. Nachdem die New York Times Anfang Februar berichtet hatte, dass Trump auf eine ursprünglich geforderte Strafe von 200 Millionen Dollar verzichten wolle, reagierte der Präsident mit einer Erhöhung der Forderung auf eine Milliarde Dollar.

Wenige Tage später kappte das Verteidigungsministerium seine akademischen Verbindungen zu Harvard. Die Regierung hatte zuvor bereits Milliarden an Forschungsgeldern eingefroren – eine Entscheidung, die ein Bundesgericht als Verletzung der Redefreiheit der Universität aufhob.

Was Harvard über sein Zulassungsverfahren sagt

Während andere Ivy-League-Universitäten wie Columbia, Penn und Brown Vergleiche mit der Regierung geschlossen haben, berichtete Harvard zuletzt von einem Betriebsdefizit von 113 Millionen Dollar im vergangenen Geschäftsjahr.

Die aktuelle Klage fordert keine Geldstrafe, sondern lediglich eine gerichtliche Anordnung zur Herausgabe der angeforderten Dokumente. Harvard betonte laut einem BBC-Bericht, nach dem Supreme-Court-Urteil von 2023 Änderungen an den Zulassungsverfahren vorgenommen zu haben. Mitarbeiter, die Bewerbungen prüfen, hätten keinen Zugang zu Angaben über Ethnie, bis das Zulassungsverfahren abgeschlossen sei.