Konjunkturumfrage

ifo-Umfrage: Unternehmen geben Bundesregierung ein "mangelhaft"

Die Stimmung in der Wirtschaft ist mies. Ostdeutsche Firmen bewerten die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung schlechter westdeutsche. Was sind die Ursachen?

Insolvenzen wie im Chemiepark Böhlen drücken in Ostdeutschland die Stimmung.
Insolvenzen wie im Chemiepark Böhlen drücken in Ostdeutschland die Stimmung.Jennifer Brückner / dpa

Deutsche Unternehmen bewerten die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit der Schulnote 4,16 – ein Ergebnis zwischen „ausreichend“ und „mangelhaft“. Das geht aus einer Befragung des ifo Instituts hervor, die im Januar 2026 im Rahmen der ifo-Konjunkturumfrage durchgeführt wurde. Rund 6 300 Unternehmen nahmen teil.

Ostdeutsche Firmen urteilen dabei noch härter als westdeutsche. Während Unternehmen im Westen im Schnitt die Note 4,14 vergaben, lag der Wert im Osten bei 4,27. „Deutlich mehr Unternehmen im Osten als im Westen geben der Regierung die Note 6. Baufirmen und Einzelhändler sind besonders kritisch“, erklärte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter des ifo Instituts in Dresden. 13 Prozent der ostdeutschen Firmen vergaben die schlechteste Note, im Westen waren es acht Prozent.

Sozial- und Rentenpolitik fällt am deutlichsten durch

Am schlechtesten schnitt die Sozial- und Rentenpolitik mit einer Gesamtnote von 4,62 ab. Hier gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Ost und West. Deutliche Abweichungen zeigten sich hingegen in der Finanzpolitik (Ost: 4,18, West: 4,00), der Energie- und Klimapolitik (Ost: 4,32, West: 4,16) sowie der Industriepolitik (Ost: 4,30, West: 4,11).

Kommunale Haushalte in der Krise

Die schlechte Stimmung dürfte auch mit der angespannten Finanzlage vieler ostdeutscher Kommunen zusammenhängen. Wie Beispiele aus dem Erzgebirgskreis, Potsdam-Mittelmark und der Uckermark zeigen, wachsen die Sozialausgaben auf kommunaler Ebene rasant, während Investitionen in Schulen, Straßen und Infrastruktur zurückgestellt werden müssen.

Wenn Landkreise Straßensanierungen verschieben, Schulbauten strecken und Kulturförderung kürzen, fehlen der lokalen Wirtschaft Aufträge und Umsätze. „Die Ergebnisse zeigen, dass Reformen auf nahezu allen Feldern dringend erwartet werden“, schlussfolgerte der Dresdner ifo-Chef Marcel Thum.