Infrastruktur

Deutsche Post: Beschwerden auf Rekordhoch, Unternehmen sieht kein Problem

In Deutschland gibt es so viele Post-Beschwerden wie noch nie. Die Deutsche Post weist Kritik größtenteils von sich. In Zukunft werden es wohl noch mehr Beschwerden.

Eine Briefträgerin der Deutschen Post fährt auf ihrem Postfahrrad durch Berlin.
Eine Briefträgerin der Deutschen Post fährt auf ihrem Postfahrrad durch Berlin.Monika Skolimowska/dpa

Noch nie haben sich so viele Verbraucher in Deutschland über Postdienstleistungen beschwert. Die Bundesnetzagentur registrierte im vergangenen Jahr 55.395 Beschwerden – ein Viertel mehr als 2024 mit 44.406 Fällen. Rund 90 Prozent davon entfallen auf den Marktführer DHL, der im Inland als Deutsche Post auftritt.

Die Beschwerden betreffen vor allem beschädigte Sendungen, falsche Zustellungen und überlange Lieferzeiten. In geringerem Umfang geht es um Filial-Öffnungszeiten und Briefkästen. Bereits 2022 war die Zahl von rund 15.000 auf etwa 43.000 gesprungen und seitdem nicht wesentlich gesunken.

Mehrere Faktoren spielen bei der Entwicklung eine Rolle. Die Post befindet sich nach eigener Aussage im größten Umbau ihrer Geschichte. Während die Paketmengen durch den Onlinehandel steigen, sinken die Briefmengen infolge der Digitalisierung. Im vergangenen Jahr wurden 9,4 Milliarden Briefe und 4,5 Milliarden Pakete verschickt.

Anfang 2025 trat zudem ein novelliertes Postgesetz in Kraft. Briefe müssen seitdem nicht mehr zu 80 Prozent am nächsten Werktag zugestellt werden – stattdessen gilt eine Frist von drei Werktagen für 95 Prozent der Sendungen. Gleichzeitig stieg das Porto.

Post weist Kritik zurück, SPD fordert Kontrollen

Die Deutsche Post sieht insgesamt kein strukturelles Problem. Auf eine Million Sendungen kämen lediglich vier Beschwerden, teilte das Unternehmen mit. Viele davon würden fälschlich der Post zugerechnet, obwohl Wettbewerber die Fehler verursacht hätten. Der Konzern verwies auf rund 800.000 sogenannte Fundbriefe, die von Zustellern anderer Anbieter falsch eingeworfen worden seien. „Die Postversorgung in Deutschland funktioniert sehr gut“, resümiert die Deutsche Post, die aber jede Beschwerde ernst nehme.

SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff forderte dagegen häufigere Kontrollen durch die Bundesnetzagentur. Die Zahlen seien ein Indiz, „dass der Post die Sendungsqualität nicht mehr so wichtig ist wie früher“. Zudem dürfte nur ein kleiner Teil der von Post-Problemen Betroffenen tatsächlich eine formelle Beschwerde einreichen.

Für das laufende Jahr zeichnet sich ein weiterhin hohes Niveau ab: Im ersten Quartal 2026 gingen bereits 20.316 Beschwerden ein. Allerdings ist der Vergleich eingeschränkt, da die Bundesnetzagentur mit dem neuen Online-Tool „Mängelmelder“ die Einreichung deutlich vereinfacht hat. (mit dpa)