Pressefreiheit

Costa Rica: US-Visaentzug trifft Mitglieder der Leitung von La Nación

La Nación gehört zu Costa Ricas wichtigsten Tageszeitungen. Auch andere Kritiker der Regierung Chaves verloren zuletzt ihre US-Visa.

Costa Ricas Präsident Rodrigo Chaves Robles mit der US-Sondergesandten Kristi Noem in San José, links seine Amtsnachfolgerin Laura Fernández.
Costa Ricas Präsident Rodrigo Chaves Robles mit der US-Sondergesandten Kristi Noem in San José, links seine Amtsnachfolgerin Laura Fernández.Handout/AFP

Die USA haben mehreren Mitgliedern der Direktion der costa-ricanischen Tageszeitung La Nación die Besuchervisa entzogen. Die Nachrichtenagentur AFP griff den Vorgang am Sonntag auf und verwies auf die verschlechterte Lage der Pressefreiheit in Costa Rica.

Die Direktion von La Nación teilte am Samstag mit, ihnen seien die Visa ohne Begründung entzogen worden. Betroffen sind der Vorsitzende der Direktion, Pedro Abreu Jiménez, und das Direktionsmitglied Carmen Montero Luthmer. La Nación ist eine der wichtigsten privaten Tageszeitungen Costa Ricas und wird politisch eher konservativ eingeordnet.

Die Zeitung erklärte, sie erkenne an, dass die USA über Einreisen in ihr Staatsgebiet entscheiden. Einen ähnlichen Fall gegen die Leitung einer unabhängigen Tageszeitung habe es in Costa Rica in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Bislang habe keiner der Betroffenen eine offizielle Begründung erhalten.

Wie La Nación weiter berichtete, verwies die US-Seite in einer schriftlichen Antwort auf das US-Einwanderungsgesetz. Demnach sind Visaakten vertraulich; zu einzelnen Fällen äußere man sich nicht öffentlich.

Konflikt mit Präsident Chaves

Wie AFP berichtet, reiht sich dieser Schritt in eine Reihe von Visaentzügen gegen Kritiker von Präsident Rodrigo Chaves Robles ein. Zu den Betroffenen zählen seit 2025 der frühere Präsident und Friedensnobelpreisträger Óscar Arias, ehemalige Abgeordnete und Verfassungsrichter.

Laut AFP hat Chaves mehrere kritische Medien, darunter La Nación, als „verkommene Presse“ und „politische Auftragsmörder“ bezeichnet und der Zeitung „Verleumdung“ vorgeworfen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht unter Chaves eine Verschlechterung der Pressefreiheit in Costa Rica.

Die Regierung Chaves gilt als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Costa Rica folgte zuletzt auch in der Kuba-Politik der Trump-Regierung. Im März schloss San José seine Botschaft in Havanna, wies Kubas Diplomaten aus und begründete den Schritt mit der Menschenrechtslage auf der Insel. Havanna sprach dagegen von US-Druck und warf Costa Rica vor, sich an Washingtons neuer Offensive zur Isolation Kubas zu beteiligen.

Costa Rica steht vor einem Präsidentenwechsel innerhalb des Lagers von Rodrigo Chaves Robles. Laura Fernández Delgado, frühere Ministerin unter Chaves, soll am Freitag die Präsidentschaft übernehmen. Ihre Partei Pueblo Soberano, die den Kurs des scheidenden Präsidenten fortführen will, gewann bei der Wahl am 1. Februar 31 der 57 Sitze im Parlament und damit die absolute Mehrheit.