Chinas Wirtschaft ist mit einem kräftigeren Wachstum ins Jahr gestartet als von Ökonomen vorhergesagt. Wie das Nationale Statistikamt in Peking am Montag mitteilte, stieg die Industrieproduktion in den Monaten Januar und Februar um 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die Einzelhandelsumsätze und die Anlageinvestitionen fielen nach Angaben der Behörde stärker aus als zuletzt. Das Statistikamt fasst die ersten beiden Monate stets zusammen, um Verzerrungen durch das chinesische Neujahrsfest herauszurechnen.
Wie Reuters unter Berufung auf die offiziellen Zahlen berichtete, lagen alle drei Kernindikatoren über den Schätzungen der befragten Analysten. Die Daten setzen damit ein positives Konjunktursignal aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt – mit unmittelbarer Relevanz für Rohstoffmärkte und den globalen Handel.
Rückenwind für Pekings Wachstumsziel
Die chinesische Regierung hat für das Gesamtjahr ein Wachstumsziel von 4,5 bis 5 Prozent ausgegeben. Die nun veröffentlichten Daten stützen dieses Vorhaben zunächst. Peking hat zuletzt verstärkt auf fiskalische Impulse und gezielte Investitionsanreize gesetzt, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Dass sich der Einzelhandel belebt, deutet darauf hin, dass diese Maßnahmen bei den Verbrauchern zumindest teilweise ankommen.
Auch die Financial Times bestätigte den Befund einer wirtschaftlichen Belebung zum Jahresauftakt, verwies aber zugleich auf das zunehmend schwierige geopolitische Umfeld, in dem sich diese Erholung vollzieht.
Handelskonflikt und Iran-Krieg als Risiken
Denn dem besseren Jahresstart stehen erhebliche Unwägbarkeiten gegenüber. Der Handelskonflikt mit den USA hat sich unter Präsident Donald Trump erneut verschärft. Washington hat weitere Zölle auf chinesische Waren erhoben, Peking antwortete mit Gegenmaßnahmen. Analysten warnen, dass die Eskalation die chinesische Exportwirtschaft im weiteren Jahresverlauf spürbar belasten könnte.
Hinzu kommt die militärische Konfrontation zwischen den USA und dem Iran. China gehört zu den größten Abnehmern iranischen Öls. Nach Einschätzung der Financial Times erschwert die Krise Pekings Bemühungen, strategische Vorräte an Öl und anderen Rohstoffen aufzubauen. Die Zeitung verweist zudem darauf, dass die verschärfte Lage im Nahen Osten die wirtschaftliche Erholung in den kommenden Monaten dämpfen könnte.
Auf dem chinesischen Arbeitsmarkt bleibt die Lage angespannt. Laut Reuters und den Daten des Statistikamtes verharrt die Jugendarbeitslosigkeit in den Städten auf hohem Niveau, was den privaten Konsum als Wachstumstreiber bremst. Ob die Erholung angesichts dieser Gegenwindfaktoren über das erste Quartal hinaus trägt, ist offen.


