China verstärkt seine Bemühungen, Paraguay von seinem langjährigen Verbündeten Taiwan abzubringen. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters wurden paraguayische Politiker zu Reisen nach China eingeladen, bei denen sie unter anderem luxuriöse Hotels, Bankette und Besuche bei Technologie- und Gesundheitsunternehmen erhielten.
Die Delegationen besuchten demnach mehrere chinesische Städte, darunter Peking und Chongqing. Teilnehmer berichteten, chinesische Vertreter hätten wiederholt betont, Paraguay verpasse große wirtschaftliche Chancen, solange es diplomatische Beziehungen zu Taiwan aufrechterhalte. „Alles, was ich dort gesehen habe, wünsche ich mir auch für mein Land“, sagte laut Reuters die paraguayische Oppositionsabgeordnete Leidy Galeano nach einer solchen Reise.
Paraguay hat nur rund 6,4 Millionen Einwohner, spielt geopolitisch jedoch eine wichtige Rolle. Das Land ist der letzte diplomatische Verbündete Taiwans in Südamerika. Weltweit erkennen nur noch zwölf Staaten Taiwan offiziell an. Ein Wechsel Paraguays zu China wäre deshalb ein symbolischer Erfolg für Beijing in seinem Versuch, Taiwan international weiter zu isolieren.
USA und Taiwan versuchen gegenzusteuern
Chinas Charmeoffensive trifft auf wachsende Gegenmaßnahmen aus Taiwan und den USA. Paraguay unterzeichnete im Januar ein Verteidigungsabkommen mit Washington und nahm an einem Rohstoff-Gipfel im Weißen Haus teil.
Auch politisch ist die Lage komplex. Präsident Santiago Peña hat die Beziehungen zu Taiwan wiederholt bekräftigt. Die Partnerschaft beruhe auf gemeinsamen Werten wie Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, erklärte das paraguayische Außenministerium. Analysten sehen die langfristige Entwicklung jedoch als unsicher. Innerhalb der regierenden Colorado-Partei gibt es Machtkämpfe, und Teile der Opposition sprechen sich offen für engere Beziehungen zu China aus.

Wirtschaftliche Argumente gewinnen an Gewicht
Ein wichtiger Faktor ist die Wirtschaft. Paraguay exportiert große Mengen Rindfleisch und Soja, kann diese Produkte jedoch nicht direkt nach China verkaufen, solange es Taiwan anerkennt. Stattdessen werden sie über Nachbarländer wie Brasilien oder Argentinien weitergeleitet. Gleichzeitig steigen die Importe aus China stark. Nach offiziellen Daten überstiegen sie 2025 erstmals sechs Milliarden Dollar.
Chinesische Diplomaten argumentieren deshalb, diplomatische Beziehungen zu Beijing könnten Investitionen und Handelsmöglichkeiten deutlich ausweiten.
Luxusreisen und Technologie-Touren
Mehrere paraguayische Politiker berichteten, dass ihre Reisen nach China Besuche in High-Tech-Industrien, Krankenhäusern und Hochgeschwindigkeitsbahnhöfen umfassten.
Die Oppositionspolitikerin Roya Torres sagte, besonders die medizinische Infrastruktur habe sie beeindruckt. Gleichzeitig hätten chinesische Vertreter immer wieder darauf hingewiesen, Paraguay könne wirtschaftlich „den Anschluss verlieren“, wenn es an Taiwan festhalte. Das chinesische Außenministerium wies Vorwürfe zurück, gezielt Lobbyarbeit zu betreiben. Kontakte zwischen Menschen verschiedener Länder seien „ein normaler Austausch“, erklärte ein Sprecher. Taiwan hingegen warf China vor, seine diplomatischen Verbündeten systematisch „abzuwerben“.
Strategischer Wettbewerb in Lateinamerika
Der Streit um Paraguays außenpolitische Ausrichtung ist Teil eines größeren geopolitischen Wettbewerbs, der sich bis nach Lateinamerika zieht. In den vergangenen Jahren haben mehrere Staaten ihre diplomatischen Beziehungen von Taiwan zu China verlagert – darunter Panama, El Salvador, die Dominikanische Republik, Nicaragua und zuletzt Honduras. Mit großen Infrastrukturprojekten und Investitionen im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ baut Beijing seinen Einfluss in der Region weiter aus.
Ob Paraguay dem Beispiel seiner Nachbarn folgt, ist offen. Präsident Peña hat seine Unterstützung für Taiwan bislang bekräftigt. Doch in Paraguays Parlament wächst laut mehreren Abgeordneten das Interesse an engeren Beziehungen zu China.


