Am 26. November 1990 startete die Buslinie 100 als erste echte Ost-West-Verbindung im wiedervereinigten Berlin. Um Punkt 7 Uhr gaben der damalige Regierende Bürgermeister Walter Momper und Ost-Bürgermeister Tino Schwierzina gemeinsam das Startsignal am Hardenbergplatz, wie auch die B.Z. berichtet.
Die neue Linie mit der dreistelligen Nummer verband erstmals Orte, die sinnbildlich für die geteilte Stadt standen: Gedächtniskirche, Siegessäule, Brandenburger Tor, Berliner Dom und Fernsehturm. Was heute als beliebte Sightseeing-Strecke in jedem Reiseführer steht, war damals noch ein kleines Abenteuer.
Organisatorische Herausforderungen zum Start
Die Einführung der Linie 100 war 1990 ein organisatorischer Kraftakt. Die Fahrer der BVB (Volkseigener Betrieb Kombinat Berliner Verkehrsbetriebe) aus dem Osten und die der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) im Westen kannten große Teile der jeweils anderen Stadthälfte kaum.
Viele orientierten sich in den ersten Tagen mit Handskizzen, da es noch keine Navigationsgeräte gab. Auch die Tarife unterschieden sich stark: West-Berliner zahlten 2,70 D-Mark, Ost-Berliner zwischen Mollstraße und Brandenburger Tor nur 20 Pfennig. Für die Fahrt über die ehemalige Grenze brauchte man einen speziellen Fahrschein für 2 D-Mark.
Erst 1995 wurden die Tarifgrenzen vollständig aufgehoben. Bereits am 1. Januar 1992 hatten sich BVB und BVG unter dem Namen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vereinigt
Die Linie 100 entwickelte sich schnell zu einem Publikumsmagneten. Berliner und Touristen nutzen sie gleichermaßen, um die wiedervereinten Stadthälften zu erkunden. Die Strecke führt an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei und gilt als eine der schönsten Busrouten Europas. Auch nach 35 Jahren ist die 100 mehr als nur ein Verkehrsmittel. Sie gilt als Symbol der Wiedervereinigung und rollender Botschafter der Hauptstadt.


