Energiewende

Bundesnetzagentur: Deutschland braucht immer mehr französischen Atomstrom

Deutschland setzt auf Atomstrom aus Frankreich. Jene Energiequelle, die im eigenen Land politisch nicht mehr gewollt ist.

Die Strom-Netzbetreiber in Deutschland greifen zunehmend auf französische Atomkraftwerke zurück.
Die Strom-Netzbetreiber in Deutschland greifen zunehmend auf französische Atomkraftwerke zurück.Jochen Eckel via www.imago-images.de

Seit der Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke ist die Bundesrepublik zum Netto-Importeur von Elektrizität geworden. Wie die Bundesnetzagentur der Welt am Sonntag bestätigte, greifen die deutschen Strom-Netzbetreiber dabei verstärkt auf französische Atomkraftwerke zurück, um die Schwankungen bei der Einspeisung von Wind- und Solarenergie zu kompensieren.

Im vergangenen Jahr bezog Deutschland demnach mehr als 60.000 Gigawattstunden Strom aus dem Ausland. Den größten Anteil daran hatte Kernenergie aus Frankreich. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark das deutsche Stromsystem nach dem Atomausstieg auf Lieferungen aus den Nachbarländern angewiesen ist – und dabei ausgerechnet auf jene Energiequelle zurückgreift, die im eigenen Land politisch nicht mehr gewollt ist.

Erneuerbare Energien brauchen stabile Ergänzung

Hintergrund der wachsenden Importe ist die volatile Natur der erneuerbaren Energien: Wind- und Solarkraftwerke produzieren Strom abhängig von Wetterlage und Tageszeit. In Phasen geringer Einspeisung – etwa bei Windstille oder nachts – müssen die Netzbetreiber auf andere Quellen zurückgreifen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Französische Kernkraftwerke, die als sogenannte Grundlastkraftwerke rund um die Uhr konstant Strom liefern können, füllen diese Lücke zunehmend.

Deutschland hatte im April 2023 seine letzten drei Kernkraftwerke endgültig vom Netz genommen. Seitdem fehlt dem Land eine wesentliche Säule der planbaren Stromerzeugung. Die Importzahlen legen nahe, dass die bislang ausgebauten Kapazitäten an erneuerbaren Energien zusammen mit den verbliebenen konventionellen Kraftwerken nicht ausreichen, um den Bedarf jederzeit aus eigener Produktion zu decken.