Brasilianische Oppositionspolitiker haben am Montag angekündigt, bei der US-Botschaft politisches Asyl für den in Orlando im US-Bundesstaat Florida festgesetzten früheren Geheimdienstchef Alexandre Ramagem zu beantragen. Das berichtete CNN Brasil am heutigen Dienstag.
Der Oppositionsführer in der Abgeordnetenkammer, Cabo Gilberto Silva von der rechtskonservativen Partei PL, erklärte, Ramagem betrachte sich als politisch Verfolgten und habe deshalb sein im März abgelaufenes US-Touristenvisum nicht verlängert.
Ramagem war am Montag von der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE festgenommen worden. Laut CNN Brasil war er zuvor mutmaßlich wegen eines Verkehrsverstoßes aufgefallen. Bei der Dokumentenkontrolle stellte sich demnach heraus, dass sein Aufenthaltsstatus irregulär war.
Senator Jorge Seif, ebenfalls PL, erklärte gegenüber CNN Brasil, ein Asylantrag Ramagems sei bereits bei den US-Behörden anhängig, habe sich aber im Verfahren bislang nicht bewegt. Die Opposition habe bislang elf Unterschriften zur Unterstützung gesammelt und wolle weitere hinzufügen.
Auf der X teilte Jorge Seif mit, er habe bei der US-Botschaft ein Schreiben eingereicht. Darin bezeichnete er Ramagem als politisch verfolgten Bolsonaro-Verbündeten und stellte sich demonstrativ hinter ihn.
Protocolei na Embaixada dos EUA um ofício sobre a situação do Dep. Alexandre Ramagem, delegado da PF e parlamentar eleito, atualmente detido pelo ICE.
— 🇧🇷 Jorge Seif Junior (@jorgeseifjunior) April 13, 2026
O Brasil vive um momento preocupante, com clara perseguição a opositores políticos ligados ao Presidente Bolsonaro.
Quando a… pic.twitter.com/HpfhxPf0Lx
Verurteilung und Flucht
Ramagem gehörte zum Umfeld des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Dieser verbüßt seit November 2025 eine 27-jährige Haftstrafe. Eine Kammer des Obersten Gerichtshofs hatte ihn schuldig gesprochen, nach seiner Wahlniederlage im Jahr 2022 gegen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen Staatsstreich geplant zu haben.
Der frühere Direktor der brasilianischen Geheimdienstbehörde Abin war im September 2025 vom Obersten Gerichtshof STF zu 16 Jahren, einem Monat und 15 Tagen Haft verurteilt worden. Die Richter sprachen ihn schuldig wegen Bildung einer bewaffneten kriminellen Vereinigung, versuchten Staatsstreichs und versuchter gewaltsamer Abschaffung des demokratischen Rechtsstaats.
Zu den Mitangeklagten und Mitverurteilten aus Bolsonaros engem Umfeld gehörten neben Ramagem mehrere Ex-Minister und hohe Militärs. Bolsonaro hatte schon vor der Wahl Zweifel am Wahlsystem gestreut. Nach Lulas Sieg blockierten Anhänger Straßen und forderten vor Kasernen ein Eingreifen des Militärs. Am 8. Januar 2023 stürmten Bolsonaro-Anhänger das Regierungsviertel in Brasília.
Im September 2025 floh Ramagem laut Bundespolizei über die Landgrenze im Bundesstaat Roraima nach Guyana und flog von Georgetown in die USA. Sein Name steht auf der Fahndungsliste von Interpol. Die Abgeordnetenkammer entzog Ramagem im Dezember 2025 sein Mandat, weil er nach seiner Flucht den Parlamentssitzungen dauerhaft ferngeblieben war.
Die brasilianische Regierung übermittelte am 30. Dezember 2025 über ihre Botschaft in Washington ein formelles Auslieferungsersuchen an das US-Außenministerium, wie die Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete.
Juristen sehen geringe Erfolgsaussichten
Völkerrechtler bewerten die Asylchancen skeptisch. Solano de Camargo, Professor für internationales Recht an der Universität São Paulo, erklärte gegenüber dem brasilianischen Portal Metrópoles, die Verurteilung und die Interpol-Fahndung sprächen gegen jede Form von Aufenthaltsrecht. Verbrechen gegen die Demokratie seien im Völkerrecht häufig vom Asylschutz ausgenommen.
Caio Gracco, ebenfalls Völkerrechtler an der Universität São Paulo, hielt gegenüber Metrópoles eine Abschiebung für wahrscheinlicher als eine Auslieferung, weil eine Abschiebung für die USA schneller und günstiger sei. Ramagems Anwälte könnten jedoch versuchen, die Abschiebung gerichtlich aussetzen zu lassen.
Gracco verwies zudem darauf, dass die US-Regierung unter Präsident Trump den STF-Richter Alexandre de Moraes 2025 nach dem Magnitsky-Gesetz, einem US-Sanktionsinstrument, als Menschenrechtsverletzer eingestuft habe. Washington könne den Fall deshalb auch politisch bewerten und Ramagem unabhängig von der Justiz Asyl gewähren.
Der Abgeordnete Lindbergh Farias von der Regierungspartei PT nannte die Festnahme laut dem Nachrichtenportal Brasil de Fato „ironisch“: Ramagem sei ausgerechnet von einer Polizeibehörde unter Trump verhaftet worden – jenem Präsidenten, den die brasilianische Rechte politisch unterstütze.


