Arbeitskampf

BP sperrt 800 Beschäftigte von größter Raffinerie im Mittleren Westen aus

Der Tarifkonflikt an der Whiting-Raffinerie im US-Bundesstaat Indiana eskaliert. Die Anlage zur Gewinnung von Benzin, Diesel und Kerosin ist ein Schlüsselstandort für den US-Kraftstoffmarkt.

Die BP-Raffinerie Whiting im US-Bundesstaat Indiana
Die BP-Raffinerie Whiting im US-Bundesstaat IndianaErin Hooley/AP/dpa

Der britische Ölkonzern BP hat am 19. März rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte an seiner Raffinerie in Whiting im US-Bundesstaat Indiana ausgesperrt. Das Unternehmen teilte auf seiner Webseite mit, der Lockout sei die Folge monatelanger gescheiterter Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft United Steelworkers (USW).

Die Raffinerie in Whiting ist mit einer Tageskapazität von 440.000 Barrel die größte im Mittleren Westen der USA und produziert Benzin, Diesel und Kerosin, wie Reuters berichtete. BP hatte am Dienstag eine Aussperrung angekündigt, nachdem die USW-Mitglieder das vom Unternehmen als „letztes und endgültiges Angebot“ bezeichnete Vertragspaket abgelehnt hatten. Wartungskräfte sollten demnach bereits ab Dienstag der Anlage fernbleiben, die übrigen gewerkschaftlich vertretenen Beschäftigten bis zum 18. März weiterarbeiten.

BP erklärte am Dienstag, die Gewerkschaft habe zentrale Vorschläge zweimal zurückgewiesen, ohne auf die Kernanliegen des Unternehmens einzugehen. Man sei weiterhin zu Verhandlungen bereit, ein Ende der Aussperrung setze aber die Annahme des jüngsten Angebots voraus. Seit dem Auslaufen des bisherigen dreijährigen Tarifvertrags am 31. Januar habe man unter „Unsicherheit in der Belegschaft“ operiert – einschließlich der Möglichkeit eines kurzfristig angesetzten Streiks. Die Wiederherstellung der betrieblichen Kontrolle sei nötig, um einen sicheren und geordneten Betrieb der Raffinerie zu gewährleisten.

Gewerkschaft: BP-Forderungen sind inakzeptabel

Die USW schildert den Konflikt anders. Eric Schultz, Vorsitzender der Ortsgruppe 7-1, erklärte laut Reuters am Dienstag per E-Mail: „Sie fordern weiterhin, dass wir mehr als 100 Stellen streichen, Gehaltskürzungen für nahezu alle Positionen akzeptieren und auf unsere Verhandlungsrechte verzichten. Das ist schlicht inakzeptabel.“ Man sei bereit, weiter für eine faire Vereinbarung zu kämpfen, die Arbeitsplätze, Löhne und Rechte der Mitglieder schütze.

Die Gewerkschaft hatte zuvor erklärt, BP plane den Abbau von mehr als 200 gewerkschaftlich organisierten Stellen in Betrieb, Wartung und Umweltsicherheit sowie die Abschaffung bestimmter Arbeitsschutzregelungen.

Angespannter Kraftstoffmarkt als Hintergrund

Der Arbeitskampf fällt in eine Phase hoher Benzin- und Dieselpreise. Wegen des Kriegs gegen den Iran und der Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion steht der Kraftstoffmarkt zusätzlich unter Druck.

Israelische Angriffe auf das iranische Gasfeld South Pars trieben am Mittwoch die Ölpreise weiter nach oben. Iran griff daraufhin Gasanlagen in Katar an und feuerte zudem Raketen auf Saudi-Arabien; saudischen Angaben zufolge wurden mehrere Geschosse abgefangen. Betriebsstörungen an einem Standort wie Whiting könnten den ohnehin angespannten US-Kraftstoffmarkt zusätzlich unter Druck setzen.

Die steigenden Benzinpreise seit Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar stellen ein erhebliches politisches Risiko für Präsident Donald Trump und die Republikaner dar, insbesondere mit Blick auf die Kongresswahlen im November.