Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin hat eine erste Bilanz zum 1. Mai gezogen. In der ganzen Stadt fanden am Freitag rund 90 Veranstaltungen und Demonstrationen statt. Wie der Sprecher der GdP, Benjamin Jendro mitteilte, wurden 15 Polizisten verletzt, es gab über 87 Festnahmen und rund 121 Strafermittlungsverfahren.
Darunter sind Verfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruches und schweren Landfriedensbruches, des tätlichen Angriffes auf Vollzugsbeamte, der einfachen und gefährlichen Körperverletzung, sexueller Belästigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und der Beleidigung.
Zwar gehe die Entwicklung in eine richtige Richtung, so Jendro. Trotzdem könne nicht von einem friedlichen 1. Mai gesprochen werden. „Leider trübt die Nacht in Kreuzberg, bei der wieder Gegenstände auf die Einsatzkräfte geworfen und Pyrotechnik abgebrannt wurden, die Gesamtbilanz eines Feiertages, an dem Hunderttausende auf den Straßen friedlich demonstriert und gefeiert haben“.
Die Feuerwehr konnte sich auch nicht über mangelnde Beschäftigung beklagen. Insgesamt 2050 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr vom 1. auf den 2. Mai. Allein im Rettungsdienst wurden 1657 Einsätze protokoliert. Besonders am Abend kam es dabei in Kreuzberg zu vermehrten Einsätzen. „Sehr oft spielte übermäßiger Gebrauch von Alkohol eine Rolle“, sagt ein Sanitäter.
Wegner nennt 1. Mai „friedlich“
Weiter sagte Jendro: „Unsere Hauptstadt mag gern für politische Stammtischreden durch den Kakao gezogen werden. Wir haben an den letzten beiden Tagen aber einmal mehr mit Bravour bewiesen, dass wir Großlagen können wie kein anderer“.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sprach auf der Plattform X hingegen von einem friedlichen 1. Mai. „Der 1. Mai in Berlin war friedlich“, so Wegner. „Das ist auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung unserer Polizei und Feuerwehr“, so der CDU-Politiker weiter.
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zog ebenfalls eine positive Bilanz zu den Demonstrationen und anderen Veranstaltungen am 1. Mai. Der Tag sei „weitgehend friedlich“ verlaufen, teilte Spranger mit.
Das ist auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung unserer @polizeiberlin und @Berliner_Fw . Ich danke allen Einsatzkräften, die im Dienst waren!
— Kai Wegner (@kaiwegner) May 2, 2026
Im Zuge der revolutionären Demo, die in diesem Jahr um 19.30 Uhr vom Oranienplatz startete, kam es neben Parolen gegen die Polizei auch zu Gewalttaten und dadurch auch immer wieder zu polizeilichen Maßnahmen. Die GdP sprach von einer „völlig unübersichtlichen Blockstruktur“. Aus diesem Aufzug heraus sei „erhebliche Pyrotechnik“ gezündet worden, hieß es. Polizisten seien teilweise mit Gegenständen beworfen worden. Die Veranstalter der „Revolutionären 1. Mai-Demonstration“ sprachen am Samstag von etwa 30.000 Teilnehmenden. Die Berliner Polizei sprach von bis zu 11.000 Teilnehmern.
Wie die Berliner Polizei mitteilte, wurde ein Polizist im Volkspark Friedrichshain von einer Gruppe verletzt. Im Park grillte eine zehnköpfige Gruppe, ein Polizist und dessen Kollegin sprachen die Gruppe an und forderten diese auf, den Grill zu löschen. Die Gruppe weigerte sich und begann mit den Einsatzkräften zu diskutieren. Während der Diskussion griff ein Mann der Gruppe nach dem Pfefferspray des Polizisten und versuchte, dieses zu entwenden. Der Polizeioberkommissar brachte den mutmaßlichen Dieb daraufhin zu Boden. Nun griffen bis zu acht Personen der Gruppe den Polizeibeamten an. Die Gruppe schlug und trat gegen Kopf und Oberkörper des Beamten, wobei sie auch einen Gehstock verwendete. Darüber hinaus wurde ihm eine Bisswunde in einem Arm und eine Schnittverletzung in einem Bein zugefügt. Die Polizei nahm drei Tatverdächtige fest, zwei Männer im Alter 40 und 41 Jahren, sowie eine 76-jährige Frau, die auf den Beamten mit ihrem Gehstock einschlug. Weitere Tatverdächtige flüchteten in unbekannte Richtung.
Der 1. Mai entwickelt sich in der Hauptstadt offenbar langsam immer mehr zu dem, was er im Ursprung war: Ein Tag für friedliche Proteste gegen soziale Ungerechtigkeiten und Krieg und noch so vieles mehr. Und ein Tag zum Feiern für und mit der ganzen Familie. So feierten zehntausende Menschen zwischen Treptower Park und Oranienplatz friedlich, während am Abend die große Demonstration zum 1. Mai vom Oranienplatz aus startete. Allerdings dauerte es lange, bis die Teilnehmer los gehen konnten. Der Grund: tausende Menschen auf der Oranienstraße in Richtung Görlitzer Park. Dort versammelten sich schließlich 8500 Menschen.

