Politik

Betrugsvorwurf am Islamkolleg: Grüne und Union wollen Imam-Ausbildung in Deutschland weiter fördern

Nach dem Rücktritt des wissenschaftlichen Direktors wegen falscher Spesenabrechnungen fordern Politiker den Fortbestand des Modellprojekts. Doch die Zukunft ist ungewiss.

Die Imam-Ausbildung in Deutschland steht vor einer ungewissen Zukunft.
Die Imam-Ausbildung in Deutschland steht vor einer ungewissen Zukunft.KARRAR JABBAR/AFP

Die deutschsprachige Imam-Ausbildung am Islamkolleg Deutschland in Osnabrück steht vor einer ungewissen Zukunft – ausgerechnet jetzt, da ihr wissenschaftlicher Direktor Bülent Uçar wegen Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen seinen Posten geräumt hat. Grüne und Union haben sich dennoch klar für eine Fortführung des Projekts ausgesprochen.

Wie jetzt bekannt wurde, legte Uçar sein Amt bereits im vergangenen Jahr nieder. Vorausgegangen war eine Anzeige des Islamkollegs gegen den Professor wegen falscher Spesenabrechnungen in Höhe von 3700 Euro. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück stellte das Verfahren schließlich gegen Zahlung einer Auflage ein, nachdem der Streit intern beigelegt worden war. Seine Professur am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück behält Uçar weiterhin, wie Merkur berichtet.

Der Fall wirft einen Schatten auf eines der ambitioniertesten religionspolitischen Projekte der jüngeren deutschen Geschichte. Das Islamkolleg Deutschland wurde 2019 von muslimischen Gemeindeverbänden, Theologinnen und Theologen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegründet. Seit 2021 bildet es Imame und islamisches Religionspersonal ausschließlich in deutscher Sprache aus – ein bundesweit einzigartiges Modellprojekt.

Grüne und Union sehen Projekt als unverzichtbar für Integration

Lamya Kaddor, Beauftragte für Religionspolitik der Grünen, bezeichnete Uçars Rücktritt als „richtig und wichtig“, um „weiteren Schaden vom Islamkolleg abzuwenden“. Gleichzeitig betonte sie, die deutschsprachige Imam-Ausbildung bleibe „enorm wichtig“. Kaddor sprach sich zudem dafür aus, das Angebot auf weitere Standorte auszuweiten.

Norbert Altenkamp, religionspolitischer Sprecher der Fraktion, ist der Meinung, dass die Ausbildung von Imamen und muslimischen Seelsorgern in deutscher Sprache „eine Lücke füllt und ein wichtiger Beitrag zur Integration ist“. Nach seiner Einschätzung könne das Islamkolleg auch künftig Förderanträge stellen.

Entscheidend wird die Frage der Finanzierung: Der aktuelle Förderzeitraum endet im kommenden Herbst. Derzeit wird geprüft, ob das Kolleg weiterhin finanzielle Unterstützung erhält. Das Projekt wird gegenwärtig sowohl vom Bundesinnenministerium als auch vom Land Niedersachsen gefördert.