Berlin meldet beim Glasfaserausbau einen neuen Höchstwert: 53,4 Prozent aller Haushalte und Gewerbestandorte gelten laut Senatsverwaltung für Wirtschaft als mit Glasfaser versorgt. Rund 1,2 Millionen Anschlüsse seien verfügbar, ein Plus von mehr als 270.000 innerhalb eines Jahres.
Die Gigabit-Versorgung, die auch schnelle Kabelanschlüsse einschließt, liegt bei 96,2 Prozent. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sprach von einem „Turbo-Jahr“ und verwies auf die vollständige 5G-Abdeckung von 99,97 Prozent.
Was „Homes passed“ wirklich bedeutet
Die Zahl von 53,4 Prozent bezieht sich allerdings auf sogenannte „Homes passed“. Diese Kennzahl sorgt in der Branche regelmäßig für Diskussionen. Laut der international gebräuchlichen Definition der FTTH Council Global Alliance bedeutet sie lediglich, dass ein Glasfaserkabel in der Nähe eines Gebäudes verlegt wurde, typischerweise im Umkreis von 30 bis 100 Metern.
Ein tatsächlicher Anschluss des Hauses oder gar eine Freischaltung beim Nutzer sind damit nicht verbunden. Bundesförderprogramme erkennen den Status „Homes passed" daher nicht als volle Versorgung an. Den Stand der echten Versorgung gibt der Berliner Senat nicht an. Diese wird nur ein Bruchteil des möglichen Anschlusses betragen.
Hinzu kommt die Frage, wie gut der neue Anschluss in der Praxis funktioniert? So klagen derzeit viele Berliner Schulen, dass sie zwar ans Glasfasernetz angeschlossen sind, aber aufgrund der Bausubstanz das WLAN trotzdem nicht in jedem Klassenraum durchdringt. Die Versorgung mit Internet hat sich entsprechend nicht verbessert.
Große Unterschiede zwischen den Bezirken
Die Versorgung verteilt sich zudem ungleichmäßig über das Stadtgebiet. Während innerstädtische Bezirke wie Mitte und Lichtenberg beim Ausbau führend sind, hinken Randbezirke deutlich hinterher. Spandau und Treptow-Köpenick bilden die Schlusslichter. Der Berliner Gigabit-Monitor, der die Versorgungslage bis auf Ebene einzelner Planungsräume darstellt, macht diese Unterschiede sichtbar. Die Daten stammen direkt von den zehn Strategiepartnern des Landes, darunter Telekom, Vodafone und Deutsche Glasfaser.
Bürger können Bedarf an Glasfaser melden
Für unterversorgte Standorte hat das Land einen sogenannten Bedarfs-Monitor eingerichtet. Dort können Privatpersonen, Gewerbetreibende und Immobilieneigentümer ihren Bedarf an einem Glasfaseranschluss melden. Die beteiligten Telekommunikationsunternehmen prüfen die Angaben und unterbreiten gegebenenfalls individuelle Angebote. Das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bleibt laut Gigabit-Strategie des Senats auf 2028 terminiert.


