Im Berliner Strandbad Wannsee ist schon angebadet worden, in vielen Freibädern beginnt in ein paar Wochen die Saison – doch die alten Sorgen sind auch die neuen: Es werden vielerorts noch Rettungsschwimmer und Schwimmmeister für die Badeaufsicht gesucht – auch in Berlin. Stehen nicht genügend qualifizierte Retter am Beckenrand, könnten wieder einige Bäder zeitweise geschlossen werden.
Laut Stellenausschreibung der Berliner Bäderbetriebe dürfen sich sogar Menschen bewerben, die derzeit kein gültiges Rettungsschwimmabzeichen in Silber oder eine Erste-Hilfe-Bescheinigung vorweisen können. In einem Praxistest soll die Eignung dann überprüft werden. Gesucht werden Volljährige mit guten Deutschkenntnissen und weiteren Fähigkeiten. „Wenn Du gerne schwimmst, Verantwortung übernehmen möchtest und auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf behältst, bist Du bei uns genau richtig“, heißt es dazu unter anderem in der aktuellen Ausschreibung für Rettungsschwimmer.
Tausende Schwimmmeister fehlen hierzulande
Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland zwischen 2000 und 3500 Schwimmmeister. Das sind die Fachleute, die sich neben der Badeaufsicht um das gesamte Bad mit seiner Technik und den Wasserwerten kümmern. Die vielen Rettungsschwimmer, die gerade in den Stoßzeiten im Sommer zusätzlich am Beckenrand stehen, sind da noch nicht mitgezählt.
Angesichts der rund 6500 Schwimmbäder in Deutschland – also Hallen- und Freibäder - sei die Zahl der fehlenden Schwimmmeister „eine richtige Hausnummer“, sagte Martin Holzhause, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der Deutschen Presse-Agentur.
Vor allem in den vergangenen zwei Jahren hätten sich die Auswirkungen des Personalmangels in verspäteten Saisonstarts der Freibäder, verkürzten Öffnungszeiten, zeitweisen oder vereinzelt kompletten Schließungen gezeigt. „Das wird es sicher auch in diesem Jahr wieder geben“, sagte Holzhause. Der DLRG-Sprecher zeigte sich allerdings überzeugt, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere Kräfte finden ließen, die zumindest unterstützten. „Der Fachkräftebedarf an Fachangestellten in den Bädern bleibt jedoch und lässt sich nicht von heute auf morgen lösen.“
Bezahlung hat sich inzwischen verbessert
Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister bescheinigt der Branche, in den vergangenen Jahren viele Weichen richtig gestellt zu haben. Die Bezahlung und die Rahmenbedingungen hätten sich spürbar verbessert, sagt Präsident Peter Harzheim.
Das Problem sei ein Generelles: „Die Leute wollen am Wochenende rausgehen, sich entspannen, Wellness genießen – aber kaum einer ist mehr bereit, am Wochenende zu arbeiten und auch was dafür zu tun, dass es solche Angebote gibt“, sagt der Verbandschef. „Das Problem bekommen wir nicht allein in unserer Branche geregelt – da bräuchte es mal einen gesellschaftlichen Aufschrei“, findet er.
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