Debatte

Solidarität der Kulturszene stärkt Berlinale-Chefin: Tuttle möchte Intendantin bleiben

Tricia Tuttle hält trotz politischer Kontroversen um den Nahostkonflikt an ihrer Position fest. Die Möglichkeit einer einvernehmlichen Kündigung wurde im internen Kreis besprochen.

Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle möchte weiterhin ihre Arbeit fortsetzen.
Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle möchte weiterhin ihre Arbeit fortsetzen.Christoph Soeder / dpa

Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle möchte weiterhin die Berlinale führen. „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen", sagte die 55-jährige US-Amerikanerin der Deutschen Presse-Agentur.

Zugleich räumte sie ein, dass sie mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer über einen möglichen Abgang gesprochen hatte: „Wir diskutierten die Möglichkeit meiner einvernehmlichen Kündigung."

Ehrliche Gespräche mit dem Kulturstaatsminister

Auslöser der Krise war der Umgang mit dem Nahostkonflikt während der 76. Berlinale. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte bei der Abschlussgala der Bundesregierung vorgeworfen, Partner eines „Völkermords im Gazastreifen" zu sein. Weimer und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verurteilten die Äußerungen. Die „Bild"-Zeitung berichtete anschließend, Tuttle solle abberufen werden.

Breite Solidarität aus der Kulturszene

Noch bevor die Gespräche mit Weimer abgeschlossen waren, formierte sich laut Tuttle breiter Protest aus der deutschen und internationalen Kulturszene – darunter auch israelische Stimmen. Diese Solidarität habe ihr „eigene Klarheit nach einigen schwierigen Wochen wiederhergestellt".

Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat zur künftigen Ausrichtung des Festivals. Tuttle betonte, sie sehe keinen Reformbedarf an den Grundwerten der Berlinale, beklagte aber, dass „die politische Debatte erneut die Filme selbst überschattet hat.“ Das sei aber nicht die Schuld der Filmemacher, sondern das Festival müsse es nächstes Jahr besser zu machen.