Proteste

Polizei im Einsatz: Antifa und Neonazis demonstrieren in Berlin-Marzahn

Rund 1000 Menschen nehmen am Samstag in Marzahn an der linken Kundgebung „Patriarchat sterben lassen“ teil. Rechtsextremisten sammeln sich zur Gegendemo.

Berlin-Marzahn: Teilnehmer der rechten Demo „Gegen Linkspropaganda und Lügen der Antifa“.
Berlin-Marzahn: Teilnehmer der rechten Demo „Gegen Linkspropaganda und Lügen der Antifa“.Paul Zinken/dpa

Alles andere als ein ruhiger Samstag in Marzahn: Zwei Demonstrationen sorgten am frühen Abend für Aufregung zwischen den Hochhäusern des Berliner Nordostens. Statt der angemeldeten 200 Teilnehmer demonstrierten rund 1000 Menschen ab 16 Uhr unter dem Motto „Patriarchat sterben lassen – antifaschistisch kämpfen“ gegen Femizide und rechten Aktivismus. Dieser habe in der jüngeren Vergangenheit besonders in Marzahn zugenommen, hieß es.

So sollen etwa Organisatoren der bundesweiten Anti-CSD-Proteste von Rechtsaußen aus dem Bezirk stammen und dort politisch agieren.

Passend dazu meldeten rechte Gruppierungen eine Gegendemo an.
Bereits eine Stunde früher starteten die etwa 120 rechtsextremen Demonstranten unter dem Motto „Gegen Linkspropaganda und Lügen der Antifa“. Vorab angemeldet waren 400 Teilnehmer. Offenbar war dies der erste Neonazi-Aufmarsch seit vier Jahren in Berlin. Teilnehmer trugen etwa Kleidung der rechtsextremen Kleinstpartei Der Dritte Weg und ein Banner mit der Aufschrift „Stopp den linken Terror“.

Berlin-Marzahn: Blick auf die Spitze des linken Protestzuges.
Berlin-Marzahn: Blick auf die Spitze des linken Protestzuges.Jannik Läkamp/Berliner Zeitung

Wie ein Reporter der Berliner Zeitung berichtet, waren zahlreiche Teilnehmer in beiden Lagern vermummt, beide Gruppierungen waren überwiegend schwarz gekleidet. Zwar blieb es trotz kämpferischer Sprechchöre beider Seiten weitgehend friedlich, doch Lautsprecher-Durchsagen zufolge kam es auf der linken Demo zu vereinzelten Festnahmen wegen Verstößen gegen das Vermummungsverbot.

Dies konnte die Polizei auf Nachfrage allerdings zunächst nicht bestätigen. Auf X und mittels Lautsprecher-Durchsagen wurden linke Demo-Teilnehmer vor dem Heimweg gewarnt – Teile der rechten Demo hätten sich abgespalten und würden in Kleingruppen durch Marzahn streifen.

Obwohl auch der Neonazi-Aufmarsch vereinzelt Sympathien der Anwohner weckte, winkten viele Marzahner dem lautstark skandierenden linken Demozug von ihren Balkonen aus zu.

Für Unmut sorgten hingegen die Demo-Routen der beiden Lager von der Raoul-Wallenberg-Straße bis zur Mehrower Allee – die Rechten folgten der linken Demo mit nur wenigen hundert Metern Abstand. Starke lokale Polizeikräfte des Abschnitts 32 trennten jedoch die beiden Demos durchgehend. Eine Person wurde offenbar auf der linken Kundgebung verletzt und wurde in einem Rettungswagen betreut. Der Hintergrund ist noch unklar. Die „antipatriarchale“ Demo endete gegen 19.30 Uhr, die rechte Gegendemo soll noch bis in die späten Abendstunden fortgeführt werden.