Die USA wollen offenbar mit Russland und China über nukleare Rüstungskontrolle verhandeln. Dies berichteten Bloomberg und Reuters übereinstimmend unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten des US-Außenministeriums. Dazu habe eine US-Delegation am Montag in Genf Gespräche mit russischen Vertretern geführt, am Dienstag sollen Gespräche mit einer chinesischen Delegation stattfinden, hieß es.
Die USA streben den Berichten zufolge einen neuen Rüstungskontrollvertrag an, nachdem im Februar der New Start-Vertrag mit Russland ausgelaufen war. Dieser begrenzte die Zahl einsatzbereiter strategischer Sprengköpfe auf jeweils 1550. Russland hatte vorgeschlagen, das Abkommen zu verlängern. US-Präsident Donald Trump und US-Außenminister Marco Rubio haben laut Bloomberg jedoch gefordert, dass ein neues Abkommen auch China einbeziehen müsse.
USA warfen China geheimen Atomtest vor
Chinas Botschafter für Abrüstung, Shen Jian, erklärte laut Reuters Anfang des Monats, sein Land habe derzeit keine Pläne, sich an neuen Verhandlungen zur nuklearen Rüstungskontrolle mit Moskau und Washington zu beteiligen. Die USA hatten China Anfang Februar vorgeworfen, im Juni 2020 einen geheimen Atomtest durchgeführt zu haben, was Shen zurückwies.
Die Abrüstungskonferenz der UN tagt diese Woche in Genf. Der stellvertretende Staatssekretär für Rüstungskontrolle, Christopher Yeaw, sagte laut Bloomberg am Montag, China habe „entgegen anderslautenden Behauptungen sein Nukleararsenal bewusst und ungehindert massiv ausgebaut“. Ob die Gespräche am Dienstag bereits formelle Verhandlungen darstellen, war zunächst unklar.
China lehnte Beitritt zu Atomwaffen-Verhandlungen ab
China verfügte nach US-Schätzungen zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des New Start-Vertrags im Jahr 2010 über rund 200 Atomwaffen, wie Bloomberg berichtet. Die US-Regierung geht demnach davon aus, dass China bis 2030 über genügend Material für mehr als 1000 Sprengköpfe verfügen könnte.
Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, erklärte laut Bloomberg während einer Pressekonferenz Anfang Februar, dass das nukleare Arsenal Chinas deutlich kleiner sei als das der USA. „Es ist weder fair noch vernünftig, China in dieser Phase zum Beitritt zu den Atomabrüstungsverhandlungen aufzufordern“, sagte er.
Der hochrangige US-Beamte erklärte gegenüber Reuters, die USA hätten schon gute bilaterale Gespräche mit Großbritannien und Frankreich geführt. Die beiden Länder sind ebenfalls Mitglieder des UN-Sicherheitsrates. „Die Weiterleitung der Gespräche an die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates war der nächste logische Schritt“, so der Beamte.


