PrSM-Rakete

Berichte: Neue US-Rakete detonierte offenbar über Sporthalle und Grundschule im Iran

Zu Beginn des Iran-Kriegs soll eine  Rakete vom neuen Typ PrSM zivile Ziele im Iran getroffen haben. Die Waffe wird erst seit Kurzem vom US-Militär eingesetzt.

Start einer ATACMS-Rakete (Symbolbild): Die PrSM gilt als Nachfolgesystem mit größerer Reichweite.
Start einer ATACMS-Rakete (Symbolbild): Die PrSM gilt als Nachfolgesystem mit größerer Reichweite.-/yonhap/dpa

Am ersten Tag des Iran-Kriegs detonierte offenbar eine neuartige US-Waffe über einer Sporthalle und einer angrenzenden Grundschule in der südiranischen Stadt Lamerd. Dies berichtete die New York Times unter Berufung auf Analysen von Videomaterial, Satellitenbildern, Fotos der Einschlagstellen und Waffenexperten. Auch die BBC berichtete über den möglichen Einsatz der Waffe bei einem Angriff auf ein Wohngebiet in Lamerd.

Bei dem am 28. Februar eingesetzten Geschoss handelte es sich den Berichten zufolge wahrscheinlich um eine vom US-Konzern Lockheed Martin entwickelte sogenannte Precision Strike Missile, kurz PrSM. Die Rakete wurde im Krieg mit dem Iran erstmals vom US-Militär eingesetzt, berichtete die BBC unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium.

Die PrSM-Rakete ist demnach der Nachfolger der ATACMS – einer ballistischen Boden-Boden-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Die PrSM-Raketen sollen eine Entfernung von bis zu 500 Kilometern erreichen können.

US-Militärsprecher: „Wir kennen die Berichte und prüfen sie“

Die PrSM ist laut der New York Times dafür ausgelegt, kurz vor dem Ziel zu detonieren und dabei kleine Wolframkugeln zu versprengen. Die Zeitung verifizierte nach eigenen Angaben zwei Videos, die Explosionen in Lamerd zeigten. Waffenexperten identifizierten dem Bericht zufolge ein Muster an den Einschlagstellen, das zu dem Einsatz einer PrSM-Rakete passe.

Nach Angaben iranischer Staatsmedien wurden an diesem Tag bei Angriffen auf die Stadt mindestens 21 Menschen getötet. Ein namentlich nicht genannter US-Beamter bestätigte gegenüber der New York Times, dass es sich bei der in Lamerd eingesetzten Waffe um die PrSM handelte. Ein Sprecher des US-Zentralkommandos, Tim Hawkins, erklärte: „Wir kennen die Berichte und prüfen sie. US-Streitkräfte greifen – im Gegensatz zum iranischen Regime – nicht wahllos Zivilisten an.“

Mögliches Ziel war Gelände der iranischen Revolutionsgarden

Das mutmaßliche militärische Ziel des Angriffs war den Berichten zufolge ein direkt an die Sporthalle grenzendes Gelände der iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Laut Satellitenbildern vom 9. März, die die BBC auswertete, schien dieses Gelände jedoch unbeschädigt zu sein. Auf Boden- und Satellitenbildern nach dem Angriff waren nach Angaben der New York Times Brandspuren an der Sporthalle sowie ein teilweise eingestürztes Dach zu sehen. Aufnahmen aus dem Inneren der Schule zeigten zerstörte Fenster, Feuerschäden und Blutspuren.

Zum Zeitpunkt des Angriffs trainierte in der Halle eine Frauen-Volleyballmannschaft, wie Irans UN-Botschafter Amir Saeid Iravani laut New York Times mitteilte. Unter den Getöteten waren nach Berichten iranischer Medien auch Kinder. Neben der Sporthalle und der Schule wurde auch ein etwa 300 Meter entferntes Wohngebiet getroffen. Dort zerstörte die Explosion einen Öltanklaster und beschädigte mehrere Geschäfte und Wohnhäuser.

Lockheed Martin schließt Deal mit Regierung über PrSM-Produktion

Der Angriff auf Lamerd ereignete sich der New York Times zufolge am selben Tag, an dem ein US-Tomahawk-Marschflugkörper eine Schule in der mehrere hundert Kilometer entfernten Stadt Minab traf und nach iranischen Angaben 175 Menschen tötete, darunter etwa 110 Kinder. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, der Vorfall werde untersucht, und betonte, US-Streitkräfte würden „niemals zivile Ziele angreifen“.

Lockheed Martin lehnte laut BBC eine Stellungnahme zu dem Angriff ab und verwies an die US-Regierung. Am Mittwoch gab das Unternehmen bekannt, eine Vereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium zur Vervierfachung der PrSM-Produktion unterzeichnet zu haben.

Da die PrSM erst kürzlich die Prototypenphase abgeschlossen habe, sei laut New York Times schwer einzuschätzen, ob die Treffer auf zivile Einrichtungen in Lamerd beabsichtigt waren, auf einen Design- oder Herstellungsfehler zurückgehen oder aus einer fehlerhaften Zielauswahl resultierten. Das Pentagon hat dem Bericht zufolge in früheren Konflikten Waffen in der Entwicklungsphase unter dem Vorbehalt einer sogenannten „Kampferprobung“ eingesetzt, sofern die Kommandeure das damit verbundene Risiko bewusst akzeptieren.