Der staatliche Ölkonzern Abu Dhabi National Oil Co. (Adnoc) aus Abu Dhabi hat seine Raffinerie in Ruwais nach einem Drohnenangriff offenbar heruntergefahren. Es handele sich um einen vorsorglichen Schritt, berichteten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters übereinstimmend unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Alle anderen Betriebe innerhalb des Komplexes sollen normal weiter laufen.
Die Raffinerie hat eine Verarbeitungskapazität von 922.000 Barrel Öl pro Tag und ist damit laut Bloomberg eine der größten der Welt. Adnoc prüft den Berichten zufolge mögliche Schäden an der Anlage. Zuvor hatte das Medienbüro der Regierung Abu Dhabis auf X erklärt, dass nach einem Drohnenangriff innerhalb der Industriezone in Ruwais ein Feuer ausgebrochen sei, Verletzte habe es nicht gegeben. Die Behörde teilte jedoch nicht mit, welche Anlage betroffen war.
Mehrere Länder reduzieren Ölförderung
Der Großteil des Benzins, Diesels und Kerosins, das in der Raffinerie in Ruwais produziert wird, wird laut Bloomberg exportiert, ein Teil jedoch auch im Inland verbraucht. Die Berichte über eine mögliche Stilllegung der Raffinerie reihen sich in weitere Produktionskürzungen im Nahen Osten ein.
Saudi-Arabien, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Kuwait haben ihre gemeinsame Rohölförderung laut Bloomberg um bis zu 6,7 Millionen Barrel pro Tag reduziert. Der Öltransport durch die Straße von Hormus, eine wichtige Handelsroute, ist durch den Iran-Krieg weitgehend blockiert. Adnoc und der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco haben dem Bericht zufolge deshalb begonnen, Exporte über alternative Routen umzuleiten.
Chef von Saudi Aramco warnt vor „katastrophalen Konsequenzen“
Saudi Aramcos Vorstandschef Amin Nasser warnte am Dienstag jedoch trotzdem vor „katastrophalen Konsequenzen“, sollte die Meerenge weiterhin blockiert bleiben. Ein Brand an der Ras-Tanura-Raffinerie, der größten Raffinerie Saudi-Arabiens, sei nach einem Angriff in der Vorwoche schnell gelöscht worden, sagte Nasser. Die Anlage werde derzeit wieder hochgefahren.
Auch Bahrain und Kuwait sind von den Angriffen betroffen. Bahreins Bapco Energies erklärte am Montag höhere Gewalt (Force majeure) für seinen gesamten Betrieb, nachdem ein Angriff den Raffinerie-Komplex des Unternehmens getroffen hatte. Die Kuwait Petroleum Corporation hatte bereits am Samstag ihre Ölförderung gedrosselt und ebenfalls Force majeure erklärt. Katar stellte laut Reuters seine Produktion von Flüssigerdgas (LNG) ein – das Land liefert rund zwanzig Prozent der weltweiten LNG-Exporte.
Adnoc, das Medienbüro Abu Dhabis und das Außenministerium der VAE reagierten laut Reuters nicht unmittelbar auf Anfragen.

