China profitiert offenbar von gestiegenen Spotpreisen für LNG und verkauft Rekordmengen weiter. Das Land hat im März acht bis zehn Lieferungen für den Weiterverkauf umgeladen – die höchste jemals verzeichnete monatliche Anzahl, berichtete Reuters unter Berufung auf die Analyseunternehmen ICIS, Kpler und Vortexa.
Chinas Weiterverkäufe liefen laut Vortexa zu fast der Hälfte über das CNOOC-Terminal Binhai in der Provinz Jiangsu. Bloomberg beziffert die chinesischen Reexporte im März auf mehr als 660.000 Tonnen – das sei mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und der höchste Wert seit dem Jahr 2017.
China liefert unter anderem nach Südkorea und Thailand
Kpler-Daten zeigten laut Reuters, dass China in diesem Jahr 1,31 Millionen Tonnen LNG umgeladen hat. Zehn von ingesamt 19 Ladungen seien nach Südkorea geliefert worden, fünf nach Thailand und die verbleibenden nach Japan, Indien und auf die Philippinen. Im Vorjahr habe China nur 0,82 Millionen Tonnen verkauft, 2023 lag der Wert bei 0,98 Millionen Tonnen – dem Bericht zufolge das zweithöchste je verzeichnete Jahresergebnis.
Möglich wird das, weil Chinas eigener LNG-Bedarf stagniert. Schwächere Wirtschaftsaktivität drückt die industrielle Nachfrage, gleichzeitig steigen die heimische Gasproduktion und die Pipelinelieferungen aus Russland. „Vor dem Hintergrund einer schwachen Inlandsnachfrage war es für die Käufer sinnvoller, LNG-Lieferungen im Ausland weiterzuverkaufen“, erklärte der ICIS-Analyst Wang Yuanda laut Reuters. Die Heizsaison sei vorbei und die Spotpreise seien attraktiv.
Im Gegensatz zu den LNG-Lieferungen steht dem Bericht zufolge die Entscheidung Chinas, den Export von raffinierten Kraftstoffen größtenteils auszusetzen, um Engpässen bei der Versorgung für den Inlandsverbrauch vorzubeugen.
Steigende LNG-Preise in Asien
Zahlreiche Länder in Asien suchen nach Ersatz für ausgefallene Gaslieferungen aus dem Nahen Osten. Die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten für Gas und Öl, ist aufgrund des Iran-Krieges weitgehend blockiert. Katar meldete zudem LNG-Produktionsstopps durch iranische Angriffe auf Energieanlagen. Die asiatischen LNG-Preise sind laut Reuters seit Kriegsbeginn Ende Februar um 85 Prozent gestiegen.
Laut Bloomberg-Schiffsverfolgungsdaten sanken die LNG-Lieferungen nach Asien im März um 8,6 Prozent im Jahresvergleich auf rund 20,6 Millionen Tonnen. Das sei der stärkste Rückgang seit Dezember 2022. In Indien und China fielen die Importe im Vergleich zum Vorjahr sogar um etwa ein Fünftel.
Zahlreiche Länder greifen angesichts der Lieferengpässe auf Alternativen zurück. Bangladesch, Indien und Japan setzen wieder verstärkt auf Kohleverstromung. In Vietnam beantragte der Konzern Vingroup laut Bloomberg bei der Regierung, ein geplantes LNG-Kraftwerkprojekt durch erneuerbare Energien zu ersetzen.


