Facebook-Post

„Lackaffe, Pinocchio“: Ermittlungen gegen weitere Personen wegen Beleidigung von Kanzler Merz

Unter einem Beitrag der Polizei Heilbronn sammelten sich mehrere Kommentare über den Bundeskanzler. Die Polizei ermittelt – das sorgt für Kritik.

Wegen mutmaßlicher Beleidigung des Kanzlers wird gegen mehrere Personen ermittelt.
Wegen mutmaßlicher Beleidigung des Kanzlers wird gegen mehrere Personen ermittelt.Kay Nietfeld/dpa

Die Polizei Heilbronn hat Ermittlungen gegen mehrere Personen wegen mäglicher Beleidigung des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) aufgenommen. Vor wenigen Tagen wurde zunächst bekannt, dass die Polizei gegen einen Rentner ermittelt, der den Kanzler als Pinocchio bezeichnete.

Die möglichen Beleidigungen sammelten sich unter einem Facebook-Post der Polizei Heilbronn. Nach Angaben eines Polizeisprechers geht es um Bezeichnungen wie „Pinocchio“ oder „Lackaffe“, die Nutzer unter einen Facebook-Post der Heilbronner Polizei zum Besuch von Merz posteten. Die Ermittlungen des Staatsschutzes dauerten noch an, so der Sprecher.

Beleidigungs-Paragraf für Politiker ist umstritten

Die Kommentare hatten die Nutzer unter einem Facebook-Post des Polizeipräsidiums Heilbronn gepostet, in dem die Behörde Ende Oktober über ein Flugverbot informiert hatte, das im Zuge des Kanzlerbesuchs verhängt wurde.

Die Äußerungen seien teils „beleidigender Manier“ gewesen, so der Polizeisprecher. Deswegen habe man als Polizei unter dem Post die Kommentare herausgefiltert, die möglicherweise strafrechtlich relevant sein könnten. Dazu sei die Polizei verpflichtet, so der Sprecher. „Wenn wir den Anfangsverdacht einer Straftat haben, dann müssen wir das weiter verfolgen.“

Gegen die Personen wird im Sinne des Paragrafen 188 im Strafgesetzbuch ermittelt. Der Paragraf befasst sich mit der Beleidigung, Verleumdung oder üblen Nachrede bei Personen des politischen Lebens. Bei Verurteilung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

Der Paragraf erlangte größere Aufmerksamkeit, als es durch ihn zu einer Hausdurchsuchung bei einem früheren Feldwebel der Bundeswehr kam. Im Frühjahr 2024 teilte er auf der Plattform X ein Meme eines anderen Nutzers, das den damaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) als „Schwachkopf“ darstellte. Nutzer in den sozialen Medien sprachen von einer neuen „Schwachkopf-Affäre“. Der Politiker Marcel Luthe schrieb auf der Plattform X: „Gemeint sein dürfte die sachliche Kritik an Herrn Merz’ politischem Handeln im Vergleich zu seinen Versprechungen. Pinocchio ist dabei eine Verniedlichung.“ Bei der Bezeichnung handele es sich um ein „begründetes Werturteil, keine Beleidigung“. (mit dpa)