Energieversorgung

Ausnahme von US-Sanktionen: Japan bezieht wieder russisches Öl aus Sachalin

Japan weicht nach Ausfällen in der Golfregion auf russisches Rohöl aus. Der Tanker „Voyager“ wird am Sonntag im Hafen Kikuma auf Shikoku erwartet.

Japan sucht wegen der Krise am Persischen Golf nach zusätzlichen Rohölrouten außerhalb des Nahen Ostens.
Japan sucht wegen der Krise am Persischen Golf nach zusätzlichen Rohölrouten außerhalb des Nahen Ostens.Stanislav Kogiku/imago

Der japanische Mineralölkonzern Taiyo Oil bezieht eine Ladung Rohöl aus dem russischen Projekt Sachalin-2. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Samstag unter Berufung auf das japanische Wirtschaftsministerium METI.

Die Ladung soll laut der japanischen Tageszeitung Mainichi in der Präfektur Ehime im Westen Japans eintreffen. Der Tanker „Voyager“ unter omanischer Flagge wird nach Schiffsdaten, die die russische Nachrichtenagentur TASS auswertete, am Sonntag im Hafen Kikuma auf der Insel Shikoku erwartet. Dort betreibt Taiyo Oil eine Raffinerie.

Ein Sprecher von Taiyo Oil sagte Tass, das Unternehmen habe „eine soziale Verantwortung, die stabile Versorgung mit Mineralölprodukten sicherzustellen“, und arbeite dazu mit der japanischen Behörde für Bodenschätze und Energie zusammen. Genutzt würden auch staatliche Ölreserven. Das Unternehmen versuche, Lieferungen aus Regionen außerhalb des Nahen Ostens zu beziehen.

Das Sachalin-Blend-Öl, eine Mischung aus Rohöl und Gaskondensat aus dem Sachalin-2-Projekt, falle nicht unter Sanktionen, sagte der Sprecher zu Tass. Über künftige Käufe sei noch nicht entschieden.

Ausnahme von US-Sanktionen läuft im Juni aus

Japan hatte den Kauf russischen Öls nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 weitgehend eingestellt. Für Öl aus Sachalin-2 gilt aber eine Ausnahme von den US-Sanktionen. Das Projekt produziert vor allem Flüssigerdgas, dabei fällt auch Öl an. Gazprom, der staatlich kontrollierte russische Energiekonzern, beherrscht Sachalin-2. Auch die japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi halten Anteile.

Die US-Sanktionen sind für Japan relevant, weil sie nicht nur Käufer treffen können, sondern auch Transport, Finanzierung und Abwicklung russischer Öllieferungen. Für Öl aus Sachalin-2 gibt es eine befristete US-Ausnahme: Sie erlaubt solche Geschäfte bis zum 18. Juni, sofern die Ladung ausschließlich nach Japan geht.

Sachalin-2 liegt vor der Nordostküste der russischen Insel Sachalin im Ochotskischen Meer. Öl, Gas und Kondensat aus den Offshore-Feldern Piltun-Astochskoje und Lunskoje werden über das Trans-Sachalin-Leitungssystem zum Produktionskomplex Prigorodnoje im Süden der Insel geführt. Dort werden die Rohstoffe für den Export aufbereitet und verschifft.

Krieg in der Golfregion unterbricht Importe

Hintergrund ist der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran, der seit Ende Februar die Importe aus der Golfregion weitgehend unterbrochen hat. Vor dem Konflikt war der Nahe Osten die Hauptbezugsquelle Japans für Rohöl. Laut Tass bezog das Land zuvor 95 Prozent seiner Ölimporte über die Straße von Hormus. Diese verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Meer und gilt als eine der wichtigsten Transportrouten der Weltwirtschaft. Durch die Meerenge fließt unter normalen Bedingungen rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasangebots.

Auch Düngemittel und Pharmazeutika werden über diese Route transportiert. Tokio sicherte sich nach Reuters-Angaben zudem Lieferungen aus den USA und über Routen, die die weitgehend gesperrte Meerenge umgehen.

Auch in Syrien baut Russland seine Ölgeschäfte aus. Reuters zufolge stiegen die russischen Lieferungen in diesem Jahr um rund 75 Prozent auf etwa 60.000 Barrel pro Tag. Russland löste damit Iran als wichtigsten Rohöllieferanten Syriens ab. Die neue Führung in Damaskus sucht zwar die Annäherung an westliche Staaten, bleibt wegen schwacher eigener Förderung und hohem Verbrauch aber auf Importe angewiesen. Geliefert wird überwiegend über von den USA oder der Europäischen Union sanktionierte Tanker und Umladungen auf See.