Bundespolitik

„Sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0“: Ex-VW-Chef sieht Deutschland auf Abwegen

Der frühere Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns fordert tiefgreifende Reformen. Allerdings sieht er die derzeitige Regierung dazu nicht in der Lage.

Matthias Müller war von September 2015 bis April 2018 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.
Matthias Müller war von September 2015 bis April 2018 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.SVEN SIMON/imago

Der ehemalige Chef des Volkswagen-Konzerns, Matthias Müller, hat sich in einem Interview über die Brandmauer und die politische Entwicklung in Deutschland geäußert. Gegenüber T-Online bezeichnete Müller, der selbst FDP-Parteimitglied ist, die Entwickling der Liberalen als „traurig“.

Die FDP liegt einer aktuellen Umfrage zufolge derzeit bei drei Prozent. Müller fragt: „Wo sind diese liberalen Bürger geblieben? Oder wohin haben sie sich verirrt?“. Er sehe derzeit keine Zukunft in der FDP, solange sich die Partei nicht erneuere.

Müller: Müssen Brandmauer „ein Stück weit“ öffnen

Angesprochen auf seine Warnung, Deutschland entwickele sich zu einer „DDR 2.0“, sagte Müller: „Wir sind auf dem Weg in einen Vollkaskostaat. Die Bürger verstecken sich zunehmend hinter dem Staat und übernehmen immer weniger Eigenverantwortung“. Und weiter: „Wir sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0“, trotz Kritik fühle er sich bis heute in der Aussage bestätigt.

Müller fordert „tiefgreifende Reformen“ in den Bereichen Bildungspolitik, Rentenpolitik, Sozialpolitik, Migration, Bürgergeld und Verkehrspolitik. An der aktuellen Regierung übte er scharfe Kritik. „Sie diskutieren ständig über eine Brandmauer zur AfD, dabei sorgt diese Brandmauer nur dafür, dass sich die AfD schön eingehegt weiterentwickeln kann“.

Hingegen fordert der Ex-VW-Chef, dass die Brandmauer „ein Stück weit“ geöffnet werden solle, um „die Unfähigkeit der Partei zutage“ zu bringen. Er bezeichnete es als notwendig, mit der AfD zu reden. Unter den Wählern seien auch „Rechtskonservative dabei, ganz normale Menschen, die früher vielleicht CDU oder CSU gewählt haben und sich aus Verzweiflung dorthin begeben haben“. Die AfD zu normalisieren lehnt Müller jedoch ab. Die Union müsse sich früher oder später mit der Frage auseinandersetzen, ob sie sich gegenüber der AfD öffnen wollen, so Müller.