Raumfahrt

Antennenproblem nach Start: Russischer ISS-Frachter soll notfalls manuell andocken

Der unbemannte Transporter Progress MS-33 ist am Sonntag vom reparierten Startplatz in Baikonur gestartet. Weil eine Antenne nicht ausfuhr, soll die Crew den Anflug notfalls per Hand steuern.

Blick ins russische Kontrollzentrum während des Starts eines Progress-Frachters zur Internationalen Raumstation
Blick ins russische Kontrollzentrum während des Starts eines Progress-Frachters zur Internationalen RaumstationSofya Sandurskaya/imago

Ein russischer Versorgungsfrachter ist am Sonntag zur Internationalen Raumstation gestartet. Kurz danach zeigte sich ein technisches Problem: Eine von zwei Antennen des automatischen Kopplungssystems KURS fuhr nach dem Abheben nicht planmäßig aus, wie die Nasa in ihrem ISS-Blog mitteilte. Das Andocken soll deshalb notfalls im Handbetrieb erfolgen, berichtete die russische Nachrichtenagentur  Interfax am selben Abend unter Verweis auf die  Raumfahrtbehörde Roskosmos.

Die Sojus-2.1a-Trägerrakete mit dem Frachter Progress MS-33 startete am Sonntag um 11.59 Uhr UTC (Weltzeit) vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan und erreichte die vorgesehene Umlaufbahn, wie Roskosmos bestätigte. Das KURS-System steuert bei regulären Flügen Annäherung und Andocken automatisch. Bleibt die Antenne eingefahren, soll die ISS-Besatzung die Kopplung per Fernbedienung steuern. Das Docking ist laut Nasa für den 24. März um 13.34 Uhr UTC geplant. An Bord befinden sich rund zweieinhalb Tonnen Versorgungsgüter.

Die Internationale Raumstation (ISS) ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der USA, Russlands, der europäischen Weltraumorganisation ESA, Japans und Kanadas in der Erdumlaufbahn. Seit November 2000 ist die ISS dauerhaft bemannt; die ersten Module wurden bereits 1998 ins All gebracht.

Erster Start vom reparierten Startplatz

Der Flug markiert die Rückkehr des Startplatzes 31 in den Betrieb. Die Rampe war im November 2025 beim Abheben einer bemannten Sojus MS-28 schwer beschädigt worden, wie Reuters berichtete. Damals saßen zwei russische Kosmonauten und ein Nasa-Astronaut in der Kapsel. Alle drei erreichten die ISS unbeschadet. Der Schaden legte Russlands einzige für Sojus-Starts zur ISS geeignete Rampe über Monate lahm. Zwar verfügt Russland über weitere Startplätze, doch keiner davon konnte laut Reuters Sojus-Raketen für Besatzungsflüge und Progress-Frachter zur Station abfertigen.

Die Mission war ursprünglich bereits für Dezember 2025 vorgesehen und musste wegen der Reparaturarbeiten verschoben werden, wie das US-Fachmedium Spaceflight Now berichtete.

Zusammenarbeit mit Russland bleibt für die ISS wichtig

Russland ist seit 1993 in das Projekt eingebunden. Die Kooperation bleibt angesichts wachsender Großmachtkonkurrenz und westlicher Sanktionen politisch heikel. Technisch ist sie aber wichtig, weil beide Seiten zentrale Funktionen des Stationsbetriebs absichern.

Der Start zeigt die wechselseitige Abhängigkeit der ISS-Partner. Russische Systeme sind laut Nasa-Angaben für das Anheben der Umlaufbahn, Ausweichmanöver und Teile der Lageregelung der ISS weiter wichtig. Die Vereinbarung über gemischte Besatzungen zwischen den Partnern wurde mit einer dritten Änderung bis zum 31. Dezember 2028 verlängert, wie aus einer Nasa-Übersicht hervorgeht.

Die friedliche multinationale Wissenschaftskooperation im Rahmen der ISS ist ein Ergebnis der Zusammenarbeit nach dem Kalten Krieg. Historisch knüpft sie an das Apollo-Sojus-Kopplungsmanöver von 1975 zwischen den USA und der Sowjetunion an. Ein kurzfristiger Ausstieg Russlands ist derzeit nicht absehbar: Moskau hat seine Beteiligung bis 2028 zugesagt, Nasa und Roskosmos wollen den kontrollierten Absturz der Station bis 2030 vorbereiten.

Wie die Zusammenarbeit danach aussieht, ist offen. Zugleich orientiert sich Roskosmos strategisch stärker an China, vor allem mit Blick auf die geplante gemeinsame Mondstation ILRS als Gegenprojekt zum US-geführten Artemis-Programm.