Iran

Wie sich der Militärschlag gegen den Iran auf die Sicherheit in Berlin auswirkt

Die Polizei muss nicht nur Botschaften stärker schützen. Sie rechnet auch mit einem aggressiven Versammlungsgeschehen.

Polizisten bewachen die iranische Botschaft in Berlin.
Polizisten bewachen die iranische Botschaft in Berlin.Paul Zinken

Der Militärschlag Israels und der USA gegen den Iran sorgt für eine angespannte Sicherheitslage in Berlin. Seit jeher spiegeln sich die Ereignisse in der Welt auf den Straßen der deutschen Hauptstadt.

Nach Angaben der Berliner Polizei bleibt die Gefahrenlage in der Stadt hoch. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten beobachten wir die Lage sehr genau und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden“, teilt die Polizei mit. Genaueres zu den sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsvorkehrungen will die Behörde nicht mitteilen – das macht sie nie.

Bei genauerem Hinschauen sieht man minimale Veränderungen. Die US-Botschaft am Brandenburger Tor war schon immer durch Poller und Kameras streng geschützt. Vor dem hohen Metallzaun erstreckt sich nun vier Meter davor auf dem Gehweg der Ebert- und der Behrenstraße eine lange Reihe sogenannter Hamburger Gitter, die die Polizei aufgestellt hat. Ein Polizist achtet mit strengem Blick darauf, dass niemand die Barriere übersteigt.

Polizisten fallen für die Verbrecherjagd aus

Die Gitterreihe vor der Botschaft zieht sich auch durch die Behrenstraße. Dort, vor dem Haupteingang zur Botschaft, steht ebenfalls mehr Wachpersonal als sonst: drei Objektschützer der Berliner Polizei und zwei Angehörige eines von den USA angeheuerten Sicherheitsunternehmens.

Mehr Polizei ist auch vor der britischen Botschaft präsent, wo die Wilhelmstraße durch versenkbare Poller für normale Autos gesperrt ist. Mehr Wachleute auch vor dem Centrum Judaicum in der Oranienburger Straße.

Besonders gesichert wird seit dem Wochenende auch die iranische Botschaft an der Podbielskiallee in Dahlem. Dort müssen neben den Angestellten des Zentralen Objektschutzes nun auch pro Schicht fünf Angehörige von Einsatzhundertschaften auf das Gelände aufpassen. Auch für den Schutz weiterer Botschaften sind Vollzugsbeamte abgestellt, die nun für die Verbrecherjagd ausfallen.

Trauer und Gegenprotest an Neuköllner Mullah-Moschee

Die Polizei hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über konkrete Gefahren durch ausländische Agenten oder „Schläfer“, die auf ihren Terror-Einsatz warten. Gleichwohl warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor den „massiven Auswirkungen auf die Sicherheitslage in der Hauptstadt“, die der Angriff auf den Iran hat, allein schon mit Blick auf die Versammlungslage. Deshalb würden die Einsatzkräfte im Dienst gelassen, um auf Lagen reagieren zu können, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Zum einen gebe es eine nicht geringe Zahl an Menschen, die den amerikanischen Angriff positiv bewerten – anders als die palästinensische Szene.

Seit dem Beginn der israelischen Militäroperation gegen den Iran kam es in Berlin schon zu mehreren Demonstrationen. So zogen am Sonntag Hunderte Exil-Iraner und Sympathisanten durch die Innenstadt. Nach Angaben der Polizei versuchten an der Podbielskiallee zwei Männer, den Zaun der iranischen Botschaft zu übersteigen. Polizeikräfte konnten das verhindern. Auch für diesen Montagabend sind mehrere Demonstrationen angekündigt – unter anderem vor dem Bundesministerium des Innern, weil Palästina-Freunde glauben, dass sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu heimlich in der Stadt aufhalte.

In der Imam-Riza-Moschee an der Neuköllner Reuterstraße versammelten sich am Sonntag etwa 80 Personen zu einer Trauerfeier für das getötete religiöse Oberhaupt. Der schiitisch geprägten Moschee werden Verbindungen zum iranischen Regime und zur Hisbollah nachgesagt. Zur gleichen Zeit demonstrierten auf dem Gehweg etwa 150 Menschen gegen die Trauerfeier. Bereits im Januar 2020 fand in der Moschee eine Trauerveranstaltung statt, nachdem die USA im Irak den General der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Qassem Soleimani, getötet hatten.