Die Plattform nebenan.de ist eine nette Erfindung. Über die von Berlin-Kreuzberg aus betriebene Website kann man sich zur Laufgruppe oder zum Hundebesitzer-Treff zusammenschließen oder ein gebrauchtes Bügelbrett erstehen. Auch im Bezirk Treptow-Köpenick mit über 300.000 Einwohnern ist viel los. Gerade versucht eine Frau auf nebenan.de, eine Nudelmaschine zu kaufen. Ein Nachbar vermisst seine entlaufene getigerte Katze. Und manche Diskussion auf dieser Plattform zeigt im Kleinen, wie es um den Zustand der bundesdeutschen Gesellschaft bestellt ist.
In dieser Woche etwa machte Barbara aus Köpenick auf eine bestimmte Diebstahlmasche aufmerksam. Sie schrieb: „Habe es zum Glück nicht selbst erlebt, möchte aber warnen. Offensichtlich ist ein Team unterwegs, das bei Aldi Leute ins Gespräch zieht, dann ist das Portemonnaie weg!!! Passt auf Euer Zeug auf!!! Auch in den anderen Märkten!“
Zu Barbaras Eintrag auf nebenan.de äußerte dann Sybille ihre Meinung. Sie verwendete dabei offenbar einen Begriff, den nicht jeder verwendet. Schließlich löschte sie den Beitrag. Stehen geblieben ist die folgende Diskussion, die wir leicht gekürzt und mit kleinen Rechtschreibkorrekturen wiedergeben:
Kersten: Das soll man doch nicht sagen!
Uwe K. (erwähnt Sybille): Das ist so was von daneben!
Constanze (erwähnt Sybille): Das sollte inzwischen eigentlich allgemein bekannt sein, dass diese Bezeichnung diskriminierend ist. Und was veranlasst Sie überhaupt dazu, so eine Vermutung zu äußern, obwohl Sie gar nicht dabei waren und demzufolge auch gar nicht wissen können, was das für Täter waren? Ich habe Ihre Antwort gemeldet.
Sybille (erwähnt Constanze): Lesen Sie doch bitte richtig meine Antwort. Ist wieder typisch. So bezeichnen die Leute sich selbst, wenn Sie nicht mit jemandem aus dem Land selbst gesprochen haben, dann können Sie ihren Kommentar doch auch lassen. Ich melde Sie auch, weil Sie meine Antwort in eine Richtung schieben wollen, die ich niemals gesagt habe!!! Frechheit!!!!
Frank: Liebe Constanze, meine Kollegin ist in Rumänien geboren und aufgewachsen. Sie unterscheidet ganz klar über Zigeuner, die unredlich sind, Diebstähle begehen usw., und rumänische Bürger, die genau wie wir eine ehrliche Arbeit machen und überhaupt nicht kriminell sind.
Sybille: Danke Frank, endlich jemand, der es versteht. Sind nicht alle so. Schaut euch doch gern mal die JVA für Frauen an in Lichtenberg und Pankow, da sitzen zu 80 Prozent solche Damen wegen Taschendiebstahl. Und KEINER hat gesagt, dass diejenigen das jetzt am Aldi waren. Bitte richtig lesen!!!
Barbara: Leute, nun kommt doch mal von Eurer Palme! Ich wollte nur erreichen, dass jeder gut auf seinen Kram achtet!
Dieter: Die Sybille ist ja die Schärfste. Sollte sich vielleicht bei der ehemaligen … melden, da kann sie dann alles melden. Überwachung der Menschen ist ja wichtig. (Mit „…“ meint er vielleicht die DDR-Stasi, Anm. d. Red.)
Sybille: Dieter, du redest ein Mist. Ich melde dich gern auch, wenn du solchen Scheiß von dir gibst!! Ihr habt alle nicht richtig gelesen!!
Constanze (erwähnt Uwe M.): Beachtenswerterweise hat sie ihre Antwort bearbeitet. Und siehe da: das diskriminierende Z-Wort ist plötzlich verschwunden …
Hans (erwähnt Frank): „Zigeuner“ ist ein diskriminierender Begriff. Wer nicht selbst diskriminiert werden möchte, sollte andere auch nicht diskriminieren.
Regina: Klar sind nicht alle Leute, egal wo sie herkommen, so!! Aber die Warnung ist wichtig!! Mir persönlich ist es am Freitag bei Aldi passiert. Eine schlecht Deutsch sprechende jüngere Frau bat mich um Hilfe, da sie Diabetikerin wäre, sie bei den Getränken beim Zuckergehalt zu beraten. Ich tat es natürlich. Als ich an der Kasse stand, war meine Brieftasche mit EC- und Kreditkarten weg!! Ein Mittäter war inzwischen aktiv geworden! Meine Tasche war sogar richtig geschlossen, sodass es mir erst an der Kasse aufgefallen war. Also Vorsicht!!
Kirstin: Muss das Rumgezicke denn sein? Fast in jedem Beitrag gibt es Stunk. Wer die Diebstähle begeht, ist doch eigentlich egal, ob Ausländer oder Deutsche (auch da gibt es schwarze Schafe). Wichtig war doch nur die Warnung.
Constanze (erwähnt Kirstin): Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Aber solche Antworten wie die von Sibylle (inzwischen bearbeitet) sind indiskutabel und sollten nicht unwidersprochen bleiben.
Uwe M.: Es ist hier schlimmer als im Kindergarten. Und die Krümelkackerei hört einfach nicht auf (Nachdenk-Kinnkratz-Emoticon). Jetzt fehlt nur noch, dass irgendjemand diese Diskussion in eine politische Ecke schiebt.
Pascal (erwähnt Uwe M.): Welche politische Ecke wäre das nur, die menschenverachtende, diskriminierende und rassistische Äußerungen von sich gibt? (Nachdenk-Kinnkratz-Emoticon).
Frank (erwähnt Constanze): Toll, was Sie für Sorgen haben …
Kirstin (erwähnt Pascal): Jetzt nicht auch noch ’ne Nazi-Diskussion!
Angela: Danke für den Hinweis auf diese Masche. Zur Diskussion hier wieder im Raum: Geht doch mal in den Film „Extrawurst“ und reflektiert. Der Saal im Kino in Friedrichshagen hat sich scheckig gelacht!


