Mein Kollege Alexander Dergay hat am Dienstag eine umfassende Abrechnung mit Berlin formuliert. Einige seiner Eindrücke kann man nachvollziehen, manches spürt jeder, der hier lebt. Aber ich möchte seinem Text in einigen Punkten widersprechen. Berlin ist auch heute noch eine wundervolle Stadt – mit all ihren Problemen, ja, aber auch mit ihrer Offenheit, Vielfalt und Widerstandskraft.
Natürlich gibt es in Berlin viele obdachlose und drogenkranke Menschen. Doch die Gründe dafür liegen nicht darin, dass die Stadt „verrottet“ wäre oder die Menschen faul sind. Die Gründe sind vielfältiger. An erster Stelle steht die rasant zunehmende Verarmung in Deutschland. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Immer mehr Menschen rutschen aus der Mittelschicht in die Armut ab. Inzwischen leben 17,7 Prozent der Haushalte in Armut und der Gini-Koeffizient, der die Einkommensungleichheit misst, hat heute einen Rekordwert erreicht.

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