Überlasteter Rettungsdienst

Spiegelglatte Wege: Feuerwehr versorgt 2955 Glatteis-Verletzte in nur einer Woche

Stromausfall, Glatteis und Löschfahrzeuge für  Verletztentransport: Der Januar war der einsatzreichste Monat in der Geschichte der Berliner Feuerwehr.

Feuerwehrleute transportieren einen Patienten mit einer Sackkarre zum Löschfahrzeug, um ihn ins Krankenhaus zu bringen.
Feuerwehrleute transportieren einen Patienten mit einer Sackkarre zum Löschfahrzeug, um ihn ins Krankenhaus zu bringen.BLZ

Dieses Bild sagt alles über die Glatteiskrise in Berlin und den Zustand des Rettungsdienstes: Feuerwehrleute bringen einen gehbehinderten Patienten zu einem Löschfahrzeug. Weil die Feuerwehrautos keine Transportstühle an Bord haben, so wie Rettungswagen, müssen sich die Männer einer Sackkarre bedienen.

Wegen des Glatteises in Berlin muss die Berliner Feuerwehr derzeit außergewöhnlich viele Rettungsdiensteinsätze leisten. Einen absoluten Rekord gab es am Freitag mit offiziell 2270 Einsätzen. Wegen der verzweifelten Lage an diesem Tag erlaubte die Leitstelle Patiententransporte ins Krankenhaus auch mit Löschhilfsfahrzeugen (LHF). Allerdings ist diese Transportform umstritten, denn diese Autos führen zwar Schläuche, Pumpen und Werkzeuge mit, aber eben keine Medikamente und Tragen.

Noch immer brechen sich die Menschen Hände, Ellenbogen und Oberschenkelhals, weil es auf Straßen und Gehwegen spiegelglatt ist. Zwar hat der Senat am Freitag, dem „Tag Fünf“ nach dem großen Eisregen, die Verwendung von Tausalz erlaubt. Nur: Es ist ausverkauft. Auch Streusplit fehlt.

Mit 51.259 Einsätzen war der Januar „der einsatzreichste Monat in der Geschichte der Berliner Feuerwehr“, teilte Berlins Feuerwehrchef Karsten Homrighausen seinen Mitarbeitern in einem internen Dankschreiben mit. „Das sind heruntergerechnet 1,15 Einsätze pro Minute.“ Allein in der letzten Januarwoche erfolgten nach Angaben des Landesbranddirektors 2955 Alarmierungen zu Sturzverletzungen.

Die Weisung der Leitstelle, dass auch Löschhilfsfahrzeuge zum Transport in die Klinik benutzt werden sollen.
Die Weisung der Leitstelle, dass auch Löschhilfsfahrzeuge zum Transport in die Klinik benutzt werden sollen.BLZ

Homrighausen verwies darauf, dass es allein am 3. Januar, dem ersten Tag des Stromausfalls in Steglitz-Zehlendorf, 1714 Einsätze der Feuerwehr gab und am 5. Januar wegen Glatteis 1763 Einsätze und vom 26. bis zum 29. Januar im Schnitt rund 1740 Einsätze pro Tag gab. Diese „Einsatzspitzen“ sorgten nach seinen Worten für die hohen Januarzahlen.

In Internet-Foren von Feuerwehrleuten wird allerdings auch die hohe Zahl der „Bullshit-Einsätze“ kritisiert, weil die Leitstelle Rettungswagen und Löschfahrzeuge auch zu Lappalien schicke.

CDU-Politiker gibt in Pankow Streusalz aus

Weil die Wege noch immer glatt sind, schreibt der Pankower CDU-Politiker Johannes Kraft auf Facebook: „Schon seit Anfang Januar haben wir uns als CDU dafür eingesetzt, dass der Einsatz von Tausalzen auf Gehwegen rechtlich möglich wird und eine Änderung des Straßenreinigungsgesetzes angestoßen. Die SPD hat dieses Vorhaben bisher verzögert.“

Und weiter: „Da Streusalz im Einzelhandel kaum verfügbar ist, könnt ihr ab dieser Woche in meinem Kiezbüro (Berliner Straße 5, 13127 Berlin) zu den Öffnungszeiten (Mi/Do 10–17 Uhr, Fr 9–14 Uhr) Streusalz abholen.“

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