Am Berliner Hauptbahnhof geht das Chaos für Reisende weiter: Seit Wochen stehen dort zahlreiche Rolltreppen still, Reisende schleppen Koffer über Treppen, Familien warten vor Aufzügen, Senioren kämpfen sich Stufe für Stufe voran. Der größte Bahnhof der Republik wirkt stellenweise wie ein Fitnessstudio mit Gleisanschluss.
Da passt ein Verdacht ziemlich gut in diese Berliner Wintergeschichte: Hat am Ende ausgerechnet der Streit ums Streusalz die Rolltreppen mit lahmgelegt? Ganz abwegig ist die Frage nicht. Schon 2014 gab es Berichte über Ausfälle an Berliner Bahnhöfen, an denen eingetragenes städtisches Streugut Rolltreppen stoppte. Damals sprach die Bahn selbst davon, dass grobkörniges Streugut Kontakte auslöse und Anlagen zum Stillstand bringe.
Und auch politisch war das Thema zuletzt überall. Nach dem Glatteis-Chaos hatte der Senat unter Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) den Einsatz von Tausalz auf Gehwegen per Allgemeinverfügung ausnahmsweise erlaubt. Das Verwaltungsgericht kassierte die Entscheidung jedoch wieder, weil es an einer Rechtsgrundlage fehlte. Erst danach beschloss das Abgeordnetenhaus eine Gesetzesänderung, die Tausalz in Ausnahmelagen künftig ermöglichen soll.
DB: „Defekte Zahnräder“
Nur: Im Fall der stillstehenden Rolltreppen spricht nach letztem Stand wenig dafür, dass Splitt oder Salz der Auslöser waren. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden seit dem 18. Februar zahlreiche baugleiche Fahrtreppen vorsorglich außer Betrieb genommen und geprüft – besonders im Berliner Hauptbahnhof und am Südkreuz, aber auch an anderen Standorten in Deutschland. Als Ursache nennt die Bahn einen Getriebedefekt, genauer: defekte Zahnräder in den Getrieben.
Zwischenzeitlich waren im Hauptbahnhof 35 von 52 Rolltreppen betroffen, später noch 27; bundesweit waren es zeitweise rund 70 bis 130 Anlagen eines bestimmten Typs. Die Reparaturen laufen, erste Rolltreppen sind wieder in Betrieb – doch ein Termin für die komplette Rückkehr zur Normalität fehlt weiter. Es mangelt an speziell geschultem Personal und an Ersatzteilen.


