Außer Betrieb

Rolltreppen-Desaster am Hauptbahnhof: Seit vier Tagen Stillstand – Deutsche Bahn völlig überfordert

Fahrgäste sind frustriert: Tausende müssen ihre schweren Koffer über die steinernen Treppen wuchten. Weiterhin ist unklar, wann das Problem behoben sein wird.

An diesem Montag rollte es im Berliner Hauptbahnhof noch immer nicht so, wie es eigentlich sollte.
An diesem Montag rollte es im Berliner Hauptbahnhof noch immer nicht so, wie es eigentlich sollte.Lauryn Zoe Hinsch/Berliner Zeitung

Seit Donnerstag vergangener Woche stehen fast alle Rolltreppen an den Berliner Verkehrsknotenpunkten Hauptbahnhof und Südkreuz still.

Tags zuvor war bekannt geworden, dass die Rolltreppen einer kurzfristigen Kontrolle unterzogen werden müssten. Hintergrund seien mögliche Defekte im Getriebe, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Zwei Anlagen eines bestimmten Rolltreppentyps seien mitten im Betrieb abrupt stehen geblieben, erklärte Katja Hüske, Vorstand Personenbahnhöfe bei der Deutschen Bahn. Mitarbeiter der Bahn und des Herstellers untersuchten die Ursache.

Vorsorglich wurden deshalb alle entsprechenden Rolltreppen außer Betrieb genommen. Dies betreffe 42 Anlagen im Hauptbahnhof und zehn im Bahnhof Südkreuz. Die Ergebnisse der Prüfungen müssen abgewartet werden, hieß es weiter.

DB-Managerin Hüsken hatte am Donnerstag gesagt: „Die Überprüfungen finden heute und morgen statt.“ Am Samstag gab die Deutsche Bahn bekannt, dass erste Anlagen wieder in Betrieb genommen worden seien. Eine „zweistellige Anzahl“ sei wieder angelaufen, teilte eine Bahnsprecherin mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Vor zwei Tagen sollte das Problem behoben sein

Doch auch an diesem Montag sind die meisten Rolltreppen in den Bahnhöfen nicht in Betrieb.

Die kaputten Rolltreppen im Berliner Hauptbahnhof
Die kaputten Rolltreppen im Berliner HauptbahnhofLauryn Zoe Hinsch/Berliner Zeitung

Derweil hallen Lautsprecherdurchsagen über die Bahnsteige: Reisende sollen sich respektvoll auf den Treppen verhalten und den Handlauf benutzen. Doch viele Fahrgäste sind genervt. „Alte Menschen buckeln sich hier ab, das kann doch nicht sein!“, sagt etwa Christian F. Er traute den Ankündigungen der Bahn, wonach vor zwei Tagen bereits alles wieder behoben sein sollte.

Emma K., Mitte 60, die einen großen Rollkoffer hinter sich herzieht, hat es eilig, weiterzukommen. „Ich hätte gerne Personal zum Gepäcktragen“, sagt sie.

Fahrgäste beklagen die fehlende Kommunikation

Viele Fahrgäste sind wütend über die Länge der Störung. Auch die fehlende Kommunikation seitens der Bahn wird kritisiert – etwa von Karen L. Sie sei es leid, dass alles in Deutschland immer so lange dauere. Wahrscheinlich liege es wieder am Personalmangel, vermutet sie. „Es will immer niemand mal Verantwortung übernehmen.“

Reisende wuchten ihre Koffer über die Steintreppen.
Reisende wuchten ihre Koffer über die Steintreppen.Lauryn Zoe Hinsch/Berliner Zeitung

Andere geben sich entspannt. Ein freundlicher Mann sagt: „Dit is Berlin. Wir haben uns ja an so was gewöhnt.“

Auf Anfrage der Berliner Zeitung, wann die restlichen Rolltreppen wieder in Betrieb genommen werden können, sagte die Deutsche Bahn, dazu könnten keine Angaben gemacht werden. Die Sicherheit der Reisenden gehe vor, deswegen werde alles genau geprüft.