Ich fahre gerne und viel mit dem Rad. Ich bin überzeugt davon, dass das Rad ein wichtiger Teil der Lösung für verstopfte Städte, schlechte Luft und unseren CO₂-Fußabdruck ist.
Ich freue mich über jeden neuen Radweg, über jede Fahrradstraße, über jeden Menschen, der das Auto stehen lässt, um zivilisiert durch die Stadt zu fahren. Aber in diesen Tagen, wenn sich eine spiegelnde Eisschicht über die Gehwege und Straßen zieht, frage ich mich: Muss das wirklich sein?
Konsequenz wird mit Wagemut verwechselt
Denn da draußen sind sie wieder unterwegs. Die Unerschrockenen. Die Wetterfesten. Und natürlich die Prinzipientreuen. Sie strampeln über Radwege, die bestenfalls notdürftig geräumt wurden, oft aber unter einer trügerischen Schneeschicht blank gefrorenes Eis verbergen. Manche Radfahrer tragen nicht einmal einen Helm. Hier wird Konsequenz mit gefährlichem Wagemut verwechselt, und das ist schlicht unverantwortlich.
Ich weiß, wie schnell man sich als Radfahrer angegriffen fühlt. Wir Radfahrer sind es gewohnt, uns zu verteidigen – gegen rücksichtslose Autofahrer, gegen fehlende Infrastruktur und gegen einen Senat, der mal dafür und, je nach führender Partei, mal gegen mehr Radwege ist. Aber gerade deshalb sollten wir uns jetzt ehrlich machen: Es gibt Tage, an denen das Fahrrad keine gute Wahl ist. Und Glatteis-Tage im Februar gehören eindeutig dazu.
Die Physik beweist es: Zwei dünne Reifen auf einer Eisfläche bieten kaum Halt. Ein Sturz ist in Sekundenbruchteilen passiert, und bei dieser Witterung kommt er plötzlich, ohne Vorwarnung, ohne Chance zu reagieren. Wer schon einmal auf Glatteis gestürzt ist, weiß, wie brutal das enden kann. Handgelenk gebrochen, Schlüsselbein, Hüfte. Oder schlimmer. Und anders als beim Gehen, wo man sich vorsichtig Schritt für Schritt vortasten kann, ist man auf dem Rad zwangsläufig mit Tempo unterwegs. Man erhöht das Risiko massiv, statt es zu minimieren.
Nun werden manche einwenden: Aber die Radwege müssten eben besser geräumt werden! Das stimmt. Es ist ein Ärgernis, dass Radwege bei der Schneeräumung oft nachrangig behandelt werden, während Autostraßen längst frei sind. Daran muss sich dringend etwas ändern. Aber dieser berechtigte Unmut ändert nichts an der akuten Realität: Die Radwege sind nicht geräumt.
Deshalb kann ich auch nachvollziehen, wenn Versicherungen genauer hinsehen würden. Wenn jemand bei extremem Glatteis mit dem Fahrrad stürzt und sich schwer verletzt, ist das tragisch. Aber es ist eben auch ein Unfall, der vermeidbar gewesen wäre. Die Frage, ob Versicherte in solchen Fällen einen Teil der Kosten selbst tragen sollten, ist immerhin eine Überlegung wert. Wir akzeptieren schließlich auch in anderen Bereichen, dass grobe Fahrlässigkeit Konsequenzen hat – beim Autofahren, beim Sport, in vielen Lebensbereichen.


