Landgericht

Polizistenmord: Prozess beginnt mit Paukenschlag– Anwalt des Angeklagten beantragt Ende des Verfahrens

27-jähriger Pole soll in Lauchhammer als Mitglied einer Autodiebesbande einen jungen Polizeibeamten mit hoher Geschwindigkeit überfahren haben, um seiner Festnahme zu entgehen.

In Handschellen wurde Dawid K. an der Seite seines Anwalts Christoph Rühlmann in den Gerichtssaal geführt.
In Handschellen wurde Dawid K. an der Seite seines Anwalts Christoph Rühlmann in den Gerichtssaal geführt.dpa

Paukenschlag im Prozess in Cottbus um einen getöteten Polizisten: Am ersten Tag der Verhandlung um den mutmaßlichen Mord an dem sächsischen Polizisten Maximilian Stoppa im Januar 2025 im brandenburgischen Lauchhammer hat Christoph Rühlmann, der Verteidiger des angeklagten Polen, die Einstellung des Prozesses beantragt. Grund sei ein Verfahrenshindernis, sagte der Anwalt: Sein Mandant Dawid K. sei wegen der Tat bereits vom Landgericht Hildesheim rechtskräftig verurteilt worden. Und zweimal könne in Deutschland niemand wegen derselben Tat angeklagt werden.

Das Landgericht Hildesheim hatte den 27-jährigen Dawid K. am 1. September des vergangenen Jahres als Mitglied einer Autoschieberbande wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren Haft verurteilt. Dabei sei es auch um den Diebstahl eines hochwertigen Jeeps und eines Audis durch die Diebesbande gegangen.

Dawid K. hatte in der Nacht zum 7. Januar 2025 zusammen mit weiteren Bandenmitgliedern in Niedersachsen zwei hochwertige Fahrzeuge gestohlen. Die Autos sollten nach Polen gebracht werden. K. fuhr dabei das sogenannte Pilotfahrzeug, als er in Brandenburg durch die Polizei kontrolliert werden sollte.

Bei der Verfolgungsfahrt war Dawid K. offenbar mit bis zu 172 Kilometern pro Stunde durch geschlossene Ortschaften gerast, um den Beamten zu entkommen. In Lauchhammer soll er gegen Mittag bei einem riskanten Überholmanöver mit seinem Fahrzeug den 32-jährigen Oberkommissar überfahren haben. Der Polizist sei gerade dabei gewesen, einen Nagelgurt auszulegen, mit dem der Wagen von Dawid K. gestoppt werden sollte, heißt es in der Anklage.

Angeklagter war bereits in Hildesheim verurteilt worden

Stoppa, Vater einer dreijährigen Tochter, wurde 15 Meter durch die Luft geschleudert. Er starb noch am Unfallort. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft Dawid K. Mord zur Verdeckung einer Straftat vor. Rühlmann erklärte nach der Verlesung der Anklage, dass das Landgericht Hildesheim den Diebstahl der hochwertigen Fahrzeuge und die anschließende Flucht als eine Tat bewertet habe, Dawid K. somit bereits verurteilt sei.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht Cottbus ließ durchblicken, dass die Kammer dies nicht so sehe. Der Diebstahl zweier Fahrzeuge in Niedersachsen habe sich viele Stunden vor dem Tod des Polizisten ereignet – und viele Kilometer von Brandenburg entfernt. Zudem habe der Angeklagte den Tatentschluss erst in Lauchhammer getroffen. Eine Entscheidung will die Kammer aber erst am nächsten Verhandlungstag treffen.