Sechs Grad im Wohnzimmer

„Der Politik scheint das egal zu sein“: Mieter in der Berliner Habersaathstraße seit Wochen ohne Fernwärme

Wohnen bei sechs Grad Celsius: Ein Haus soll entmietet werden, um einem Neubau zu weichen. Bewohner wehren sich. Der Bezirk Mitte sieht keine Handhabe. So ist aktuell die Lage vor Ort.

Harrt bei strengem Frost in kalter Wohnung aus: Daniel Diekmann vor der Habersaathstraße 40.
Harrt bei strengem Frost in kalter Wohnung aus: Daniel Diekmann vor der Habersaathstraße 40.Thomas Meyer/OSTKREUZ

Sicher wird Daniel Diekmann von den sechs Grad Celsius in seinem Wohnzimmer berichten. Dann, wenn er an diesem Dienstag im Rathaus von Berlin-Mitte an der Karl-Marx-Allee vorstellig wird. Wenn er den Bezirksverordneten im zuständigen Ausschuss über die Situation in seinem Haus an der Habersaathstraße berichtet, diesem Block aus den Achtzigern von der Hausnummer 40 bis zur 48.

Diekmann wird erzählen, dass sie seit 70 Tagen keine funktionierende Heizung haben, weil der Eigentümer den Gebäudekomplex von der Fernwärme abkoppeln ließ. Er wird berichten, dass sie über kein fließend warmes Wasser mehr verfügen. Er wird den Kommunalpolitikern Zustände schildern, über die diese längst Bescheid wissen dürften. An der prekären Situation der Mieter ändert sich indes nichts.

Es handelt sich um den Versuch eines Eigentümers, einen großen Wohnblock zu entmieten, wie sich das in nüchternem Immobilienjargon nennt. Es ist eine typische Berliner Geschichte. Dieser Versuch dauert nun schon einige Jahre an: Andreas Pichotta will das Gebäude abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen, in aussichtsreicher Lage, direkt gegenüber der Zentrale des Bundesnachrichtendiensts.

Berliner Zeitung

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