Auf seinem Instagram-Account teilt er seinen eigenen Tod mit: „In Berlin nannten sie mich ‚Kürt Mehmet‘… Heute gehe ich, aber ich hinterlasse Gebete, Güte und unvergessliche Freundschaften. Meine Türen bleiben immer offen für euch, aber ich werde nicht da sein.“
Seinen 13.200 Followern teilt der Account von Mehmet K. zudem den Termin der Trauerfeier mit. Am Kottbusser Damm in Kreuzberg hat sich zur Stunde unter Polizeischutz eine Trauergemeinde versammelt. Der Unternehmer Mehmet K., der in Berlin unter anderem Wettbüros betrieb, war als bedeutendes Mitglied kurdischer Clans bekannt und wurde im Milieu auch „Kurden-Mehmet“ genannt.
Wer war Mehmet K.? Sein Imperium aus Spielhallen und Restaurants baute er von Spandau aus über die Berliner Innenstadt aus. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass er „die graue Eminenz der Unterwelt rund um den Stuttgarter Platz und den Kudamm“ gewesen sei und ein breites Netzwerk aufgebaut habe.
„Vor dem haben alle Schiss gehabt“, sagte ein Ermittler der Berliner Zeitung. So habe er im Verdacht gestanden, im Dezember 1996 in der Diskothek „Paparazzi“ den Türsteher Ahmet „der Bär“ erschossen zu haben. K. saß deshalb in U-Haft, musste aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Die Leiche des Türstehers soll in Schildow bei Berlin in einer Baugrube verscharrt worden sein. Nach einem Hinweis baggerte die Polizei in einer spektakulären Aktion mehrere Wochen lang das Grundstück um, fällte etliche Bäume und verwandelte einen Pavillon in Kleinholz. Doch eine Leiche wurde nicht gefunden.
Schüsse auf sein Einfamilienhaus in Lichterfelde
Im Knast habe er sein Netzwerk aufgebaut und dann später mit Bauunternehmen und Spielcasinos 100 Millionen Euro verdient, sagt ein Mann, der ihn kannte.
Für Irritationen bei CDU-Abgeordneten sorgten im April 2023 Bilder, die ein Fernsehsender verbreitete. Sie zeigten Mehmet K. in einem seiner Lokale zusammen mit dem CDU-Spitzenkandidaten Kai Wegner. Es war gerade Wahlkampf für das Berliner Abgeordnetenhaus, und in der Partei wurden Befürchtungen geäußert, dass diese Szene den Wahlsieg ruinieren könnte.
Im Dezember drangen Vermummte auf seinem Grundstück in Lichterfelde ein und gaben bis zu 20 Schüsse auf sein Einfamilienhaus ab. Ermittler schließen nicht aus, dass die Schüsse von türkischen Mafiagruppen stammen, die die Machtverhältnisse in der Unterwelt neu gestalten wollen.
„Das wird die Polizei vor Aufgaben stellen“
Nach den Schüssen im Dezember vergangenen Jahres schrieb Mehmet K. auf seinem Instagram-Account an die Adresse seiner Feinde: „Wenn ihr mir feindlich gesinnt seid, dann seid wenigstens ein Mann. Ich habe mein ganzes Leben lang meine Feindseligkeit wie ein Mann gezeigt. Wenn ihr ein bisschen Mut hättet, dann hättet ihr mich vielleicht woanders angegriffen.“ Und er kündigte an, Bilder seiner Überwachungskameras, die die Täter zeigen sollen ins Internet zu stellen. Zudem setzte er 500.000 Euro Belohnung zur Ergreifung der Täter aus.

Dazu kam es nicht. „Kurden-Mehmet“ soll zu dieser Zeit schon schwer an Krebs erkrankt gewesen sein. Wann und wo die Beerdigung stattfindet, ist bislang nicht bekannt.

