Klügste Nacht des Jahres

Die Lange Nacht der Wissenschaften steht bevor: Hier einige Highlights

Mehr als tausend Angebote erwarten die Besucher am 17. Juni 2023 zur Langen Nacht der Wissenschaften in Berlin und Potsdam. Hier einige davon.

Auch das Museum für Naturkunde lädt wieder zur Langen Nacht der Wissenschaften.
Auch das Museum für Naturkunde lädt wieder zur Langen Nacht der Wissenschaften.Thomas Rosenthal/MfN

Durch den direkten Austausch mit der Öffentlichkeit schaffe die Lange Nacht der Wissenschaften Akzeptanz für die Forschung und Vertrauen in die Wissenschaft, sagte die Berliner Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) bei der Vorstellung des Programms der Langen Nacht, die es seit 22 Jahren in Berlin gibt. Etwa 60 wissenschaftliche Einrichtungen präsentieren von 17 bis 24 Uhr gut tausend Programmpunkte, von Vorträgen, über Experimente, Mitmach-Aktionen und Führungen bis zu Science Slams. Wir stellen einige Highlights vor – und damit auch die Forschung, die dahintersteht.

Bomben aus dem All. Das Museum für Naturkunde Berlin in der Invalidenstraße 43 in Mitte bietet allein 17 Veranstaltungen zur Langen Nacht. Ein Vortrag (Beginn 20.30 Uhr) befasst sich zum Beispiel mit den Gefahren aus dem All und heißt „Achtung Impact – wie wir unseren Planeten gegen kosmische Bomben verteidigen können“.

Denn es ist nur eine Frage der Zeit, dass ein kosmischer Körper – zum Beispiel ein größerer Asteroid – mit der Erde kollidiert. Forscher stellen auch das am Naturkundemuseum entwickelte Frühwarnsystem zur Abschätzung der Einschlagauswirkungen vor.

Nacktmulle tratschen und kuscheln und werden steinalt

Nacktmulle mit Taktgefühl. „Sie sind ziemlich schmerzfrei, sozial und doch autoritär“, heißt es in der Darstellung des Max-Delbrück-Centers, das seine Standorte in Buch und Mitte hat. „Sie tratschen und kuscheln, werden steinalt und finden sich in der Dunkelheit problemlos zurecht.“ Die Rede ist von Nacktmullen.

Um Nacktmulle geht es in der Langen Nacht am Max-Delbrück-Center.
Um Nacktmulle geht es in der Langen Nacht am Max-Delbrück-Center.Felix Petermann, Max-Delbrück-Center

Forscher zeigen und erklären, was der Mensch von den kleinen, bizarren Tieren lernen kann – über sich selbst und die Therapie von Krankheiten, von 18 bis 21.45 Uhr im Max Delbrück Communications Center, Haus C83, Robert-Rössle-Straße 10 in Buch. In weiteren Veranstaltungen geht es etwa darum, was Proteine, die wie zerkochte Spaghetti aussehen, mit Erkrankungen des Gehirns zu tun haben und wie die Bakterienwelt des Darm das Gehirn und die Psyche beeinflusst. Auch ein Darmmodell kann man begehen.

Roboterhand könnte auf vielen Gebieten eingesetzt werden

Menschliche Roboterhand. Ein Studententeam der Berliner Hochschule für Technik (BHT) in Wedding baut seit zwei Jahren an einer künstlichen Hand, im Rahmen des Studiengangs Humanoide Robotik. Man kann sie mit eigenen Handbewegungen steuern. Dies geschieht über zwei Kameras, die ein 3D-Bild erzeugen, das auf die Roboterhand übertragen wird. Die Fingerspitzen der Hand sind mittels nachgiebiger Finger-Pads denen der menschlichen Hand nachempfunden. Dadurch soll die Hand Gegenstände besser greifen können.

Studenten demonstrieren die Steuerung der von ihnen entwickelten Roboterhand.
Studenten demonstrieren die Steuerung der von ihnen entwickelten Roboterhand.Torsten Harmsen/Berliner Zeitung

In der Langen Nacht können Besucher die Hand testen, von 17 bis 24 Uhr im Haus Bauwesen der BHT, Luxemburger Straße 9 in Wedding. Die Erfahrungen daraus sollen in die Arbeit zur Verbesserung der Hand einfließen. Eingesetzt werden könnten solche ferngesteuerten Systeme zum Beispiel bei von innen gesteuerten Außenarbeiten in der Raumfahrt, bei der Bombenentschärfung, in Kriegsgebieten oder bei Katastrophen, wie die drei Studenten erklärten.

Wie Besucher beim Bau einer Steinzeithütte interagieren

Steinzeithütte in Dahlem. Mitten auf dem Gelände der Freien Universität (FU) in Dahlem bauen Experten der Archäotechnik mit Bürgern eine mittelsteinzeitliche Hütte. Genutzt werden nachgebaute steinzeitliche Werkzeuge und andere Utensilien aus dem Alltag. Die Aktivitäten werden auf Video aufgezeichnet, um zu erkunden: „Wie verhalten sich Menschen in historischen Umgebungen?“ Auch die Besucher der Langen Nacht sind eingeladen, mitzumachen – von 17 bis 24 Uhr in der Holzlaube, Fabeckstraße 23/25 in Dahlem. Es gibt auch ein umfangreiches Begleitprogramm zu dem Projekt.

Nachgebaute Werkzeuge und Utensilien, wie sie an der FU für das Steinzeithaus-Projekt verwendet werden.
Nachgebaute Werkzeuge und Utensilien, wie sie an der FU für das Steinzeithaus-Projekt verwendet werden.Torsten Harmsen/Berliner Zeitung

Die Wissenschaftler interessiere, wie Menschen sich die Umgebung aneignen, wie sie in verschiedenen Situationen miteinander sprechen, interagieren, sich verhalten, mit Problemen umgehen, sagte die FU-Sprachwissenschaftlerin Antje Wilton bei der Vorstellung des Programms. Die Erkenntnisse könnten für die Bürgerwissenschaften (Citizen Science) in der Archäologie und anderswo genutzt werden, aber auch zur Verbesserung von Museen.

Klimagerechtigkeit auf der Kippe. In Kooperation mit der Humboldt-Universität (HU) haben Forscher ein interaktives Datentool entwickelt, mit dem Besucher per Ländervergleich selbst erkennen können, wie Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit zusammenhängen. Ort: Foyer des HU-Hauptgebäudes Unter den Linden 6 in Mitte, von 17 bis 23 Uhr.

Erst jüngst hatte die UN-Voll­ver­samm­lung den In­ter­na­tio­na­len Ge­richts­hof in Den Haag an­ge­ru­fen. Es soll ein Gut­ach­ten dazu er­stel­len, wel­che Ver­pflich­tun­gen Län­der zur Be­kämp­fung der Erd­er­wär­mung haben. Unter dem Titel „Not Just Celsius – Klimagerechtigkeit auf der Kippe“ wird nun erstmals das neue Datentool präsentiert. Es soll komplexe Vorgänge in einfacher Form verdeutlichen. Die Ergebnisse erscheinen in Form einer Waage.

Schülerinnen begegnen Wissenschaftlerinnen in Adlershof

Girls on Tour! So heißt eine Veranstaltung, die sich gezielt an Schülerinnen der 10. bis 13. Klasse richtet. Die „Lange Nacht der Wissenschaftlerinnen“ wird ausgerichtet von der Initiativgemeinschaft Außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof (Igafa).

Auf einer Tour mit vielfältigen Experimenten lernen die Teilnehmerinnen Frauen in der Wissenschaft kennen, die zu erneuerbaren Energien, Mikroplastik in der Umwelt, Nanooptik und neuesten Materialien forschen – mitsamt der beruflichen Perspektiven, die sich auf den verschiedensten Feldern bieten. Anmeldung unter igafa@igafa.de

Informationen über die Orte und Zeiten aller Veranstaltungen und den laufenden Ticket-Vorverkauf sind im Internet unter langenachtderwissenschaften.de zu finden. Ein gedrucktes Programmheft gibt es nicht.