Eine Gedenktafel in der Wilhelmstraße 92 in Berlin-Mitte erinnert seit 2005 an die Berlin-Afrika- oder auch Kongo-Konferenz von 1884. Von vielen Menschen wird sie als Sightseeing-Spot bei wichtigen Stadttouren genutzt – unter anderem auch von DeSta (Dekoloniale Stadtführung). „Am Sonntag, den 25. Januar, habe ich noch eine Stadtführung gemacht und die Gedenktafel war da. Am darauffolgenden Donnerstag, 29. Januar, war sie verschwunden“, erzählt die Gründerin von DeSta, Justice Mvemba, im Gespräch mit der Berliner Zeitung.
Sie habe bereits bei verschiedenen Vereinen nachgefragt, ob jemand die Tafel gesehen habe, doch die Spuren verlaufen im Sande. Jetzt wolle sie die verschwundene Gedenktafel der Polizei melden. Zudem postete DeSta auf Instagram, dass sie vermisst werde. Für jene, die hilfreiche Hinweise geben können, soll es eine kostenlose Stadtführung geben. Bislang hat sich niemand gemeldet.
Gedenktafel: „Ein unglücklicher Zeitpunkt“
„Ich hatte gehofft, dass wir durch den Instagram-Post schnell herausfinden können, warum die Gedenktafel nicht mehr da ist“, sagt Justice Mvemba. „Es ist ein unglücklicher Zeitpunkt, weil aktuell Black History Month ist und wir einige Veranstaltungen geplant haben“, sagt Mvemba. So sei etwa anlässlich des Black History Month ein Stadtlauf am 28. Februar geplant. Auf der fünf Kilometer langen Strecke sei auch ein Stopp an der Gedenktafel geplant gewesen. „Am selben Tag soll außerdem ein Gedenkmarsch stattfinden, der von Aktivisten organisiert wird. Die Gedenktafel ist ein wichtiger Teil dieses Marsches. Ich hoffe, dass sie bis Ende des Monats auftaucht.“

Für Mvemba persönlich habe die Gedenktafel eine wichtige Bedeutung, sagt die Stadtführerin und Gründerin, denn diese sei ein Beweis dafür, dass Schwarze nicht erst seit 20 Jahren Teil der deutschen Gesellschaft seien, sondern vielmehr bereits seit dem 18. Jahrhundert. Die Berlin-Afrika-Konferenz zeige für sie auch, dass weiße deutsche Menschen auf dem afrikanischen Kontinent waren und es teils immer noch sind.


