Tesla sondiert offenbar erstmals auch in Deutschland Engineering-Kapazitäten für sein Robotaxi-Programm. Das ist ein Hinweis auf weitergehende Europa-Pläne, aber noch kein handfester Beleg dafür, dass das geplante Cybercab bald im Werk in Grünheide gebaut wird. Zwar hat Konzernchef Elon Musk zuletzt in Aussicht gestellt, dass die Modelle Cybercab und der Roboter Optimus perspektivisch auch in Europa gefertigt werden könnten, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Entscheidend bleiben jedoch die noch ausstehende europäische Zulassung der Fahrassistenzsoftware und die Frage, in welcher Konfiguration ein solches Fahrzeug auf dem hiesigen Markt überhaupt genehmigungsfähig ist.
Engineering-Kapazitäten und die Situation im Werk
Dass Tesla sich in Europa für künftige Fahrzeuggenerationen aufstellt, zeigt eine aktuelle Stellenausschreibung. Der US-Autobauer sucht einen „(Senior) Electrical Design Engineer, Robotaxi Autonomous Vehicles“. Als Einsatzort ist dabei jedoch die „Kreisfreie Stadt Berlin“ und nicht explizit das Werk in Grünheide angegeben. Die Anzeige belegt somit zunächst, dass Tesla in Deutschland Engineering-Kapazitäten rund um das Robotaxi aufbaut.
Auf der betriebspolitischen Ebene wurden derweil in Brandenburg neue Fakten geschaffen. Bei der kürzlich durchgeführten Betriebsratswahl in der Gigafactory Grünheide wurde die arbeitgebernahe Liste Giga United mit 16 Mandaten stärkste Kraft. Die IG Metall verfehlte mit 13 Mandaten in dem insgesamt 37 Sitze umfassenden Gremium die Mehrheit. Die genauen Auswirkungen dieser Machtverteilung auf künftige Investitionsentscheidungen des Konzerns bleiben abzuwarten.
FSD ist in Europa vorerst ein Assistenzsystem
Die grundlegendste technische Voraussetzung für ein Cybercab ist die Software. Hier ist es essenziell, zwischen Musks Visionen und dem aktuellen Stand zu unterscheiden. Teslas System „Full Self-Driving“ (FSD) ist im europäischen Kontext derzeit kein vollautonomes Fahrsystem. Es handelt sich um ein System („FSD Supervised“), das nach wie vor zwingend die ständige Aufsicht und Eingriffsbereitschaft eines Fahrers erfordert.
Tesla wartet derzeit auf eine Genehmigung der niederländischen Fahrzeugbehörde RDW, die als Richtschnur für den gesamten europäischen Markt dienen könnte. Elon Musk erklärte kürzlich, ihm sei von den Behörden der 20. März 2026 als möglicher Termin für diese Zulassung in den Niederlanden genannt worden. Die RDW selbst hat diesen konkreten Stichtag jedoch nicht öffentlich bestätigt. Die Behörde betonte stattdessen, dass eine Zulassung erst dann möglich sei, wenn die Sicherheit des Systems überzeugend nachgewiesen wurde, und ließ offen, ob anvisierte Zeitpläne eingehalten werden können.
In der Tesla-Community wird unterdessen aufmerksam beobachtet, dass Tesla laut verschiedenen Update-Trackern aktuell die Software-Version 2026.2.9 in Europa ausrollt, welche im Hintergrund bereits Code der neuesten FSD-Architektur enthält. Dies ist ein Indiz für technische Vorbereitungen, bedeutet aber noch kein sofortiges grünes Licht der Regulierer.
Komplexer Weg durch die EU-Regulierung
Auch bei der Hardware des Cybercabs – das in den USA gänzlich ohne Lenkrad und Pedale vorgestellt wurde – steht Tesla in Europa vor strengen Vorschriften. Die Europäische Union blockiert solche Fahrzeuge jedoch nicht grundsätzlich. Es gibt bereits seit 2022 einen rechtlichen Pfad für die Typgenehmigung vollautomatisierter Fahrzeuge, und erst Anfang März 2026 wurde dieser Rechtsrahmen durch die Durchführungsverordnung EU 2026/481 weiter aktualisiert.


