Schusswaffengebrauch

Angeblich Schüsse in der Hasenheide: Polizei im Großeinsatz

Anrufer meldeten mehrere Schüsse in der Grünanlage. Auch ein Hubschrauber ist angefordert.

Schwerbewaffnete Polizisten am Volkspark Hasenheide in Neukölln.
Schwerbewaffnete Polizisten am Volkspark Hasenheide in Neukölln.Paul Zinken

Mehrere Anrufer meldeten gegen 14.30 Uhr über den Notruf 110 Schüsse im Neuköllner Volkspark Hasenheide. „Wir schauen mit circa 50 Einsatzkräften, was hier genau vorgefallen sein soll“, sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag.

Der Polizeihubschrauber ist deshalb im Einsatz. Feststellungen habe man bislang nicht machen können, so der Sprecher. Wegen des Polizeieinsatzes ist der Columbiadamm derzeit in beide Fahrtrichtungen gesperrt.

Erst in der Nacht ist in Schöneberg scharf geschossen worden. In der  Ebersstraße wurde kurz vor Mitternacht ein Mann schwer verletzt. Passanten fanden ihn auf dem Bürgersteig. Ein Projektil hatte ihn im Gesäß getroffen.

Zu den Tätern gibt es bislang keine genauen Angaben. Allerdings sollen bei dem gewalttätigen Angriff mehrere Personen beteiligt gewesen sein. Sie konnten unerkannt mit einem Pkw fliehen. Der Hintergrund der Tat ist nach Angaben der Polizei noch unklar.

Deutlich mehr Schusswaffengebrauch in Berlin

Die Polizei der Hauptstadt registrierte im vergangenen Jahr zwar insgesamt weniger Straftaten als im Vorjahr, doch ausgerechnet die Schusswaffenkriminalität stieg deutlich: auf 1119 Fälle. In 604 Fällen wurde mit einer Schusswaffe gedroht, in 515 Fällen wurde geschossen. Tendenz weiter steigend.

„Täglich grüßt das Murmeltier“, erklärte der Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft (GdP), Benjamin Jendro, zu dem erneuten Übergriff mit Waffengewalt. „Es wäre schön, wenn Politik dann auch mal endlich etwas unternimmt, um den illegalen Waffenhandel zu unterbinden und so die Waffenschwemme einzudämmen.“ Es könne nicht angehen, dass fast jede Nacht „irgendjemand zu einer Schusswaffe greift“.

Der Kriminologe Klaus von Lampe hingegen findet, die Polizei mache „bislang alles richtig“. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung führt er als Beispiele die Kontrollen bestimmter Geschäfte, Bars und Restaurants an, ebenso die Gründung der Sondereinheit „Ferrum“ bei der Polizei. Diese Einheit soll gegen den gestiegenen Schusswaffengebrauch bekämpfen. Eine Gefahr für eine noch weitere Eskalation der Gewaltspirale sieht er derzeit nicht. „Die etablierten Kräfte“, die schon lange in der Hauptstadt seien, hätten kein Interesse an einer Eskalation. „Die lehnen sich derzeit zurück und verfolgen, was die Polizei macht“, sagt der Hochschullehrer.