Der 1. Mai fordert in jedem Jahr seinen Tribut: verletzte Polizisten, vermüllte Straßen, Sachbeschädigungen. Auch in diesem Jahr stellt sich die Polizei auf verschiedene Szenarien und Bedrohungslagen ein. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel spricht gleichzeitig von einem „Trend“, der sich seit 2018 fortsetzt. Demnach verläuft der 1. Mai friedlicher als noch in den Jahrzehnten zuvor.
Die Bilanz aus dem letzten Jahr: 13 verletzte Beamte, von denen zehn im Dienst verblieben sind, 62 Straftaten und im Vorfeld 32 Gefährderansprachen. Der für einen 1. Mai vergleichsweise friedliche Verlauf der unterschiedlichen Aufzüge erstaunt selbst die Behörde.
2026 wurden im Vorfeld noch einmal mehr Versammlungen angemeldet als 2025, insgesamt 79. Die Versammlungshotspots sind der Polizei zufolge: die beiden Aufzüge des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), die Demonstrationen im Grunewald (10), 60 angemeldete Versammlungen in Grünanlagen und rund um Kreuzberg (60) sowie der 18-Uhr-Aufzug, die „Revolutionäre 1. Mai-Demo“. Die meisten Versammlungen wurden laut Stephan Katte, dem Leiter der Direktion Einsatz/Verkehr bei der Polizei Berlin, im Bereich Treptower Park angezeigt.
Versammlungssperrzone Treptower Park
Das Besondere: Der Treptower Park selbst ist in diesem Jahr per Allgemeinverfügung für Versammlungen Sperrzone. Demonstriert werden soll stattdessen auf der nahe gelegenen Puschkinallee. Wer im Park jedoch nur spazieren gehen möchte, kann dies allerdings wie gewohnt tun.
Die jährlich stattfindende „Revolutionäre 1. Mai-Demo“ um 18 Uhr ist seit jeher geprägt von Krawallen und Randalen. 2026 befindet sich der Antrete-Platz wie schon zu besonders aufrührerischen Zeiten am Oranienplatz. Der Aufzug verläuft dann bis zum Südstern.
Einsatzleiter Katte konnte am Mittwochnachmittag noch nicht sagen, aus wie vielen Blöcken der Aufzug um 18 Uhr bestehe, das wüssten die Veranstalter bislang selbst nicht. Im Wesentlichen habe jedoch die Organisationshoheit die Antifa, die nach einigen Jahren Abwesenheit, im vergangenen Jahr wieder an der Versammlung teilnahm. Überdies habe man festgestellt, dass sich die Tonlage bei der Mobilisierung in diesem Jahr deutlich verschärft habe.
Trotz möglicher Sachbeschädigungen, habe man sich dazu entschieden, keine Halteverbotszonen einzurichten, abgesehen von der Weichselstraße. Das Landeskriminalamt (LKA) geht in seiner Gefährdungsbewertung für den 1. Mai davon aus, dass in diesem Jahr nicht nur Antimilitarismus, sondern auch Anti-Wehrpflicht, Nahost und der Zaun im Görlitzer Park zu den Themen gehörten, die den Aufzug um 18 Uhr dominierten.

„Der Zaun im Görlitzer Park ist ein Politikum“, bestätigt Einsatzleiter Katte. Die Polizeieinheiten seien am Zaun präsent, um ein Zaunniederreißen zu verhindern. Katte bewertet Mobilisierungsversuche mit Bolzenschneidern auf Flyern aber eher als „klappern“ – nicht als ernsthafte Absicht, hier eine Straftat zu begehen. Es sei aber wohl so, dass hier Menschen sowohl aus dem militanten als auch aus dem bürgerlichen Spektrum breit mobilisiert würden, so die Einschätzung des LKAs.
Polizei sorgt auch für Überfahrschutz
Die Polizei verzichtet in diesem Jahr auf ein Vermummungsverbot. Es sei aber untersagt, antisemitische Parolen zu rufen. Neben der Drohnenfeststellung und Drohnenabwehr setzt die Behörde Beamte auch für den Überfahrschutz ein. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg im Dezember 2024 wurden die Sicherheitsvorkehrungen hier verstärkt.




