Es war wie in „Pulp Fiction“, wenn John Travolta und Uma Thurman in diesen Diner gehen und sich Travolta über Thurman beschwert, weil sie sich einen „Five Dollar Milkshake“ bestellt. In meinem Fall war es kein Diner in Los Angeles, sondern ein Geschäft in Berlin-Mitte. Und es ging auch nicht um einen Milkshake, sondern eben um einen Keks, und nicht um fünf Dollar, sondern um fünf Euro, die ich dafür bezahlte.
Beschwert habe ich mich auch, also bei mir selbst, weil ich mich auf diese gentrifizierte Verlockung eingelassen habe. Denn Kekse sind in meiner Welt eine unprätentiöse, günstige Backware. Kekse sind ewig haltbar und aus billigsten Zutaten. Man bekommt sie in abgepackten Plastiktütchen zum Kaffee gereicht, oder auf dem Spielplatz aus diesen langen gelben Packungen aus Mamas Handtasche. Wenn man ehrlich ist, freut man sich nie so richtig auf einen Keks, aber man isst ihn eben trotzdem. Beim Keks isst nicht nur das Auge mit, sondern immer auch ein bisschen die Enttäuschung.
Zurück zum Keksladen in Berlin-Mitte. Er heißt Round & Edgy und fühlt sich an, als würde man eines dieser ultrahippen Cookie-Geschäfte in Manhattan betreten, von denen die ganze Welt aufgeregt spricht. Der Putz bröckelt von den Wänden und hinter der Theke stehen gut gelaunte Expats in Schürzen und sagen „Thank you“, wenn man sein Handy ans Kartenlesegerät hält. Die Kekse kommen direkt vom Blech, sind noch warm, weich und haben einen flüssigen Kern, vegan sind sie sowieso.
Der Fünf-Euro-Keks: Ein Symptom unserer Zeit
Es irritierte mich, so viel Geld für einen Keks zu bezahlen. 4,50 Euro kostet der günstigste Cookie im Sortiment, die Spezialsorten fünf Euro. Sonderlich groß sind die Kekse nicht, aber dafür werden sie Manhattan-like in braune Papiertüten verpackt, mit denen man auf der Straße wie ein eleganter Kosmopolit aussieht, während der warme Keks in der Tüte nur darauf wartet, im Corporate Office verzehrt zu werden.


