Wenn Shermin Langhoff im Sommer 2026 nach 13 Spielzeiten das Gorki-Theater verlässt, wird ihre Ära vielleicht noch nicht zu Ende sein. Der Kultursenator Joe Chialo (CDU) lädt am Donnerstag zur Pressekonferenz, um die Nachfolge zu verkünden. Die Berliner Zeitung hat von verschiedenen Seiten erfahren, dass es die türkischstämmige Architektin, Dramaturgin und Kuratorin Çağla Ilk werden soll, die zuletzt bei der Kunstbiennale in Venedig den von dem Berliner Theaterregisseur Ersan Mondtag und der israelischen Künstlerin Yael Bartana gestalteten deutschen Pavillon kuratierte.
In einem Statement sagte sie damals: „In einer Zeit, in der Kriege, menschengemachte Naturkatastrophen und Autoritarismus die Krisenhaftigkeit unserer Gesellschaften immer deutlicher offenlegen, ist es wichtiger denn je, unsere bisherige, von nationalstaatlichem Denken geprägte Lebensweise zu hinterfragen und neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln.“ Mit einem solchen Satz ist man auch am Gorki an der richtigen Adresse.
Ilk kam 2013 mit Langhoff ans Gorki, sie betreute dort mit dem Herbstsalon die interdisziplinäre Kunstsparte des Hauses. Schon zuvor, seit 2008, war sie mit Langhoff am Ballhaus Naunynstraße, führte Regie und betreute Produktionen. Sie blieb bis 2017 persönliche Referentin von Langhoff, bevor sie, wie so viele, das Haus verließ. Ilk steht für ein interdisziplinäres, postmigrantisches Programm. Es ist das Programm, das Shermin Langhoff definiert, seit sie das Ballhaus Naunynstraße gründete, und das sie in die kulturelle Mitte der Stadt trug, als sie 2013 das Gorki-Theater übernahm.
Seit 2020 ist die in Istanbul geborene und seit 2004 in Berlin lebende Ilk Co-Direktorin der Kunsthalle Baden-Baden, wo sie 2023 eine Ausstellung der jüdischen Künstlerin Candice Breitz kuratiert hat und zuvor etwa die Gruppenausstellung „Nature and State“.

